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Schlagworte: wirtschaft

Bedingungsloses Grundeinkommen und Preise

Münzen mit Blüte

Nehmen wir an, wir sprächen von einem BGE, das nicht über Konsumsteuern, sondern Einkommensteuern finanziert wird. Das Setting ist also z.B. etwa folgendes:

  • Jeder erhält 1000,- € pro Monat.
  • Jeder Euro, den man sich dazuverdient, wird mit 50% besteuert. Meinetwegen auch mit progressivem Steuersatz oder irgendeiner Form von Reichensteuer, aber das ist mir jetzt zu kompliziert.

Mich interessiert hier im Moment nicht, ob das realistisch finanzierbar ist, oder ob so etwas jemals politisch durchgesetzt werden könnte. Bei allen möglichen Texten zu einem wie auch immer gearteten BGE wird vor allem über die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt gesprochen. Aber eine andere Frage lässt mich gerade nicht mehr los. Wenn jeder knapp 1000 € mehr in der Tasche hat als jetzt, und jeder weiß, dass jeder Andere dieses Geld hat, warum sollten dann die Preise nicht massiv steigen?

Beispiel: Eine 60-m²-Wohnung kostet im Durchschnitt in Deutschland derzeit ca. 333 €. Preis ist immer ökonomische Verhandlungssache. Jeder weiß, dass man seine Preise nicht einfach massiv erhöhen kann. Die Leute gehen dann woanders hin zum kaufen bzw. mieten. Das bedeutet, ein Vermieter (Angebot) wird seine Wohnung für einen Preis vermieten, der so hoch wie möglich ist (damit er möglichst viel verdient), aber so niedrig wie nötig (damit er überhaupt einen Mieter findet). Der potentielle Mieter (Nachfrage) hat ein bestimmtes Budget, das er bereit und in der Lage ist, für eine Wohnung zu bezahlen. Dieses Budget (über die Budgets aller potentiellen Mieter gemittelt) bestimmt die Nachfrage und damit auch den Mietpreis, den der Vermieter höchstens verlangen kann, wenn er seine Bude an den Mann bringen will. Was aber, wenn sich das Durchschnittsbudget plötzlich massiv erhöht? Das BGE ersetzt ja in den meisten Fällen die Erwerbsarbeit des Einzelnen nicht, sondern kommt hinzu; zumindest teilweise. Dann wird der findige Vermieter natürlich flugs seine Vorstellung von einem angemessenem Mietzins nach oben korrigieren, oder nicht?

Und das gleiche würde mit allen Gütern geschehen. Führt ein BGE dann nur dazu, dass das absolute Preisniveau angehoben wird, und sonst bleibt alles gleich? Als ich vor längerer Zeit auf diese Frage gestoßen wurde, habe ich spontan geantwortet, dass man dann halt gesetzlich regeln müsste, dass mit der Einführung des BGE zunächst die Preise eingefroren werden bzw. sich nur in engen Grenzen verändern dürften. Nachdem sich das System einigermaßen eingependelt hat, könnte man die Beschränkungen möglicherweise schrittweise lockern. Aber mittlerweile halte ich das doch irgendwie für undurchführbar in einer kapitalistischen Wirtschaft.

Existiert das skizzierte Problem, oder übersehe ich etwas?

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