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Schlagworte: köln

Auf die Straße

Anti-AKW-Demo in Köln

Ja, wir waren auch dabei. Ich habe sogar dank der Spendenlaune meiner Liebsten einen Button bekommen. Es ist beeindruckend, wieviele Menschen motiviert genug waren, gestern auf die Straße zu gehen. Mit jeder Menge lustigen, mahnenden aber auch bissigen Plakaten. Dem Brüderle sein Schwesterlein, legt uns nach der Wahl herein. z.B.

Beeindruckend fand ich auch, dass die Leute wirklich einen sehr repräsentativen Schnitt durch die Bevölkerung abgaben und außerdem ziemlich viele Familien mit kleinen oder auch nicht mehr ganz so kleinen Kindern dabei waren. Es erinnerte mich sehr an die Bilder von den Anti-AKW-Demos in den 80ern. Es geht bei diesem Anliegen eben nicht um ein paar Aktivisten, die schon immer dagegen waren, weil dagegen irgendwie angesagt ist, sondern es ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis nach Schutz vor gesundheits- und lebensgefährdenden Technologien, besonders auch für die eigenen Kinder.

Anti-AKW-Demo in Köln

Nicht nur aber auch angesichts der Meldungen des Morgens, dass in Fukushima Strahlungswerte gemessen werden, die 2- bis 10-millionenmal so hoch sind wie normal, dass wieder verstrahlte Helfer aus dem Werk ins Krankenhaus transportiert und die restlichen erst mal evakuiert werden mussten, sollte jeder, der gestern aus Bequemlichkeit zuhause geblieben ist, eine verdammt gute Ausrede dafür haben.

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endlich-wen-anschwaerzen.de

Der Kölner an sich war ja noch nie zimperlich, wenn es darum ging, seinen unbequemen Nächsten der Obrigkeit auszuliefern. „Jo, wat määt dä dat uch. Dat geiht esu nit!“ Insbesondere, wenn das geht, ohne selbst in die Schusslinie zu geraten. „Nä, do will ich nix met ze donn han. Ävver jet maache mööt mer schon.“ Dem trägt die Kölner Verwaltung nun auch online Rechnung: Der Denunziator

Noch geht es zwar nur um verbotenes Rauchen in Gaststätten, das der willfährige Mitbürger per Online-Formular zur Meldung bringen kann, aber da ist noch Potential!

Was ich von der ganzen Rauchverbotsregelung halte, steht wirklich auf einem anderen Blatt. Aber man denke doch bitte einmal kurz darüber nach, dass es sich beim unerlaubten Rauchen in Gaststätten um eine Ordnungswidrigkeit handelt, oder irre ich mich? Mit anderen Worten, man könnte genauso gut dazu aufrufen, Falschparker per Onlineformular anzuschwärzen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass so etwas auf rege Zustimmung in manchen Kreisen stieße.

Dass Gesetze in der Regel durchgesetzt werden sollten, steht außer Frage. Mit solchen Aufrufen (und ein Aufruf ist es – nicht nur eine Möglichkeit; koeln.de wird im Auftrag der Stadt betrieben und dort steht „Kölner sollen Rauchverbot-Sünder anschwärzen“ in der Überschrift) fördert man ein Klima, das ich weder in meiner Stadt noch in meinem Land haben möchte. Eines, in dem sich Nachbarn gegenseitig bespitzeln und bei Kleinigkeiten anzeigen, eines, in dem jeder sofort, wenn ihm jemand oder etwas nicht passt, überlegt, ob er diesen nicht vom Staat bestrafen lassen kann.

In den meisten einfachen Fällen kann man denjenigen direkt ansprechen und ihm sagen, was einem nicht gefällt und warum. In manchen Fällen kann es auch nötig werden, daraufhin die Polizei oder das Ordnungsamt zu rufen. Aber eben in der Situation während man dabeisteht und sich mit seinem Gesicht und Wort für sein Recht einsetzt, wenn man es denn verletzt glaubt. Hinterher und unerkannt, „allein us Frack“, jemandem die Obrigkeiten auf den Hals zu hetzen ist einfach nur ekelhaftes Verhalten, das durch solche „Angebote“ hervorgekehrt werden soll.

Hoffmann von Fallersleben hat nicht nur ein Liedchen getextet, das in Auszügen vor deutschen Nationalspielen gesungen wird, er hat auch zwei treffende Verse in seinen politischen Gedichten verfaßt:

Der größte Lump im ganzen Land,
das ist und bleibt der Denunziant.

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