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Schlagworte: google

Android Kalender Bug

Als ich eben zum ersten Mal seit Monaten die Weboberfläche meines Google-Kalenders geöffnet habe, fiel mir auf, dass ich gestern einen Geburtstag vergessen habe. Flugs ein Blick auf den Kalender des Galaxy S und siehe da: der Geburtstag steht nicht drin. Weitere Geburtstage (= ganztägige Termine) gecheckt und ein Muster entdeckt. Der Kalender im Handy zeigt sie konsequent nicht an. Das läuft dem Zweck eines Kalenders und darin eingetragener Termine irgendwie zuwider.

Eine kurze Googleei ergab das hier. Man muss den Speicher des Kalenders im Telefon manuell leeren und neu synchronisieren lassen, dann erscheinen auch wieder alle Termine. (Der Klickweg: Menü → Einstellungen → Anwendungen → Anwendungen verwalten → Alle → Kalenderspeicher → Daten löschen)

Extrem doofe Sache, das. Das bedeutet nämlich, dass ich in Zukunft einmal die Woche den Webkalender öffnen muss, um sicher zu gehen, dass sich das blöde Telefon nicht schon wieder verschluckt hat.

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Gedanken zur Öffentlichkeit des Netzes

Das Internet hat unsere Gesellschaft so drastisch verändert, dass es im angeschlossenen Teil der Welt nicht mehr möglich ist, ohne das Netz zu leben. Als Individuum, natürlich, das geht ohne Weiteres (wenn man den richtigen, oder besser: nicht den falschen Beruf hat). Als Gesellschaft jedoch sind wir darauf angewiesen. Alles läuft über das Netz. Nicht nur für ein paar Nerds, die es sich in ihrer Blase gemütlich eingerichtet haben.

Und obwohl das bereits so ist, stehen wir trotzdem noch auf einer Schwelle, gewissermaßen in einem digitalen Fegefeuer, das uns reinigen muss von allem, was nicht mehr in das Leben danach gehört (und wir wissen noch nicht, was das sein wird – obwohl Viele glauben es zu wissen). Dieses Fegefeuer inkarniert als handfeste politische, rechtliche und wirtschaftliche, aber auch Privat-Individuelles betreffende Auseinandersetzungen jeweils zwischen Teilen der Gesellschaft. Interessant sind diese Auseinandersetzungen ausnahmslos. Seit einiger Zeit, nicht erst aber besonders seitdem Google den Start von Street View angekündigt hat, gewinnt eine davon (wieder) an Fahrt: Wie lässt sich, wenn überhaupt, öffentlicher Raum in die digitale Sphäre, das Netz, übertragen? Was für Verluste, was für Gewinne kommen dabei für uns als Gesellschaft herum?

Picki hat dabei gestern einige sehr interessante Fragen gestellt wie unter anderem:

Wäre ein realer öffentlicher Raum überhaupt noch derselbe öffentliche Raum, wenn man ihn digitalisiert? Oder wäre es, wenn überhaupt, nicht ein völlig anderer öffentlicher Raum? […] ist ein abfotografierter öffentlicher Raum überhaupt noch ein öffentlicher Raum?

Neben all dem geifernden Verbalkrieg pro oder contra Street View (bei dem ich mich persönlich übrigens gern auf der pro-Seite beteilige), der letztlich zu nichts führt, weil der Drops schon gelutscht ist, sollten wir stattdessen darüber nachdenken, wie auf einer ganz allgemeinen Ebene mit solchen Dingen umgegangen werden sollte. Denn wenn wir das nicht tun, dann kommt bald Google oder sonst irgendjemand daher und überrascht uns mit einem neuen Geschenk, das unsere früheren Grenzen berührt/durchbricht und wir haben wieder keine Antworten, sondern rennen in alter Manier wie einander ankläffende Straßenköter hinter dem glitzernden Auto her ohne den Fahrer zu beeindrucken. Beim nächsten Mal ist es vielleicht noch deutlich weniger harmlos als jetzt.

Wir müssen uns also als Gesellschaft fragen, welche Art der Privatheit eigentlich noch haltbar sein wird.

Ich bin selbst eigentlich sehr vehement dafür, Regeln zu schaffen bzw. einzuhalten, die auf die Selbstbestimmung zielen, was meiner Privatsphäre entkommen darf und was nicht. Bei jeder einzelnen dieser Regeln muss aber gefragt werden, ob sie sinnvoll und durchsetzbar ist. Nein, ich meine nicht, dass man mal schön irgendwelche Konzerne Fakten schaffen lassen und diese dann als Sachzwang hinstellen sollte. Aber manche Veränderungen werden tatsächlich durch grundlegende Technologien und den Umgang mit ihnen hervorgerufen. Es gibt dabei sicher Dinge, die man eindämmen kann und eventuell auch sollte. Immer geht das jedoch nicht und manchmal ist das auch nicht wünschenswert, weil der Nutzen einer Veränderung für die Gesellschaft ungleich höher ist als ihr Schaden.

Was also ist privat und kann es auch noch sein? Die eigene Wohnung? Sicherlich. Gespräche von Angesicht zu Angesicht? Zumindest, wenn sich die Beteiligten vertrauen können, auch. Sicher verschlüsselte Kommunikation ist der Weg, Privatheit über das Netz zu gewähren. Aber dann wird es schon langsam eng. Oben hatte ich erwähnt, dass das Individuum auch bei uns ohne Internet leben könnte. Wenn es vollständige Hoheit über seine Daten haben möchte – abgesehen von denen, die der Staat erhebt –, muss es das zwangsläufig. Niemand, der das Netz als Teil seines Lebens begreift und nicht ausschließlich verschlüsselt darüber kommuniziert, kann diese Hoheit behalten. Angesichts der Scherze, die sich manche Service-Provider so leisten, angesichts der Tatsache, dass man über Personennetzwerke auch so einiges über Dritte herausfinden kann, ohne dass diese es selbst preisgeben, kann man sich sogar fragen, ob es überhaupt möglich ist.

Und dann der öffentliche Raum. Immer noch wird ununterbrochen sowohl von Menschen, die das Internet nur aus dem Fernsehen oder aus dem Mund ihres Sekretärs kennen, als auch von denen, die im Netz leben eine Trennung zwischen Real life und Digital life als gottgegeben propagiert. Sollten wir uns nicht mal überlegen, ob das eigentlich sinnvoll ist? Und wenn wir in uns gegangen sind und diese Frage trotz allem positiv beantworten, dann müssen wir uns sehr genau überlegen, worin die Trennung besteht. Damit ist selbstverständlich nicht die banale Tatsache gemeint, dass ich den Tisch anfassen kann, die Website aber nicht, sondern der gesellschaftlich relevante Unterschied. Der, aus dem heraus motiviert sich eventuell Gesetze ableiten lassen, die dieses anders bewerten als jenes.

Das Vorhandensein des Internets bringt zunächst mal eine wesentliche Veränderung auf dem alle weiteren aufbauen: es vereinfacht und beschleunigt den Transport von Daten auf vorher nicht vorstellbare Art und Weise. Diese Grundänderung in unserem Leben wird nie wieder verschwinden. Sie ist Teil unseres Lebens geworden und Bedingung des Funktionierens unserer heutigen und zukünftigen Gesellschaft.

Ich habe überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn Einzelne beschließen ihre Hausansicht bei Street View verpixeln zu lassen (solang es nicht mein Haus ist). Ich glaube aber, dass diese Idee völlig sinnlos ist. Zum einen ist die Fassade bereits bei irgendeinem anderen Dienst im Netz als Foto vorhanden. Selbst wenn sie das nicht wäre, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie das ist, weil das jeder tun könnte. Jedermann kann beliebige Häuser fotografieren, sie irgendwo ins Netz hochladen und die Adresse dran schreiben. Wenn argumentiert wird, das Recht eben das zu tun, sei ja auch nur ein Gesetz, das sich abschaffen oder ändern ließe, muss ich dem mit der Frage begegnen, wo das denn hinführen soll. Wird in Zukunft jedes Recht, das sich auf eine bestimmte Nutzung öffentlichen Raums bezieht, abgeschafft werden, weil es im Internet missbraucht werden kann? Abgesehen davon: Wenn die letzten Jahre eines gezeigt haben, dann doch wohl, dass Verbote solcher Art nicht durchgesetzt werden können. Oder habe ich was verpasst und es gibt keine illegalen Musik-Downloads mehr? Wenn eine genügend große Nutzermenge etwas als nützlich erachtet, wird es im Netz einen Weg zu existieren finden.

Damit sollen keineswegs alle Bedenken weggewischt werden. Ich plädiere eher dafür, darüber zu diskutieren, welche Folgen solche Dinge haben und wie wir damit umgehen wollen.

Andererseits finde ich es auch nicht sinnvoll, in Bezug auf Häuser-Verpixelung usw. von Diebstahl zu sprechen. Die Content-Industrie hat es geschafft, dass Diebstahl digitaler Güter so falsch klingt, so verlogen und so fehl am Platze, dass man, egal wie schlimm man das findet, andere Ausdrücke wählen muss. Es ist kein Diebstahl. Wir finden die Hütte nicht in Street View? Suchen wir halt woanders. Über kurz oder lang taucht sie irgendwo auf. Street View ist kein öffentlicher Raum, der uns allen gehört oder auf den wir angewiesen sind. Es ist ein witziges Tool, das in bestimmten Fällen auch nützlich sein wird (bei der Wohnungssuche z.B. las ich neulich), aber nicht mehr. Es ist kein Bahnhof, keine Telefonleitung und kein Park. Und am wichtigsten: es ist nicht unersetzlich.

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