kritikant

laut nachgedacht

Zum Zubehör springen

Schlagworte: flattr

Cologne Commons 2010 I - non commercial

Dieser Artikel ist wie viele andere, die ich nach und nach hier erneut veröffentliche, schon etwas älter und erschien zuerst in meinem alten Blog. Ich kann leider die Kommentare nicht automatisch hier importieren und von Hand ist mir das zuviel Arbeit. Aber ich empfehle dringend, sie unter der verlinkten Adresse auch zu lesen. Die Diskussion war recht, ähem, erhitzt. Diskussion aber ist gerade bei diesen Themen, die unsere Gesellschaft jetzt und in den nächsten Jahren fundamental betreffen, außerordentlich wichtig. Die Kommentarspalte gehört daher zu diesem Artikel. --10.12.2011

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich letztes Wochenende bei der Cologne Commons war. Ich war damit zum ersten Mal überhaupt bei einer derartigen Konferenz (auch wenn viele andere auf der Liste stehen).

Grundsätzliche Eindrücke: Ich war überrascht, wie klein der Rahmen war. Das war nichts Negatives, es kam sehr gemütlich daher. – Der Preis war unschlagbar! – Inmitten von Köln, zwischen Mülheim und Deutz, einen Ort zu finden, zu dem man locker 15-20 Minuten gehen muss, wenn man mit dem ÖPNV kommt, ist eine große Kunst, die hoffentlich keine Nachahmer findet! – Die Vorträge, die ich gesehen habe, haben mich fast ausnahmslos gut unterhalten und interessanten Stoff zum Nachdenken geliefert.

Apropos Nachdenken. Das erste, worüber ich schreiben muss betrifft den Kern der ganzen Veranstaltung: Creative Commons Lizenzen. Dieses Blog hier steht auch unter einer: CC-BY-SA. Was mich gestört hat, war, dass es in dieser speziellen, ich sag mal einfach Szene von Künstlern/Musikern, die freie Kultur, Verschenken usw. propagieren, anscheinend vollkommen klar ist, dass man darauf zu achten habe, eine Non-Commercial-Lizenz zu wählen. Besonders Marco Medkour, aber auch andere betonten, dass es ja ziemlich blöde wäre, wenn nachher Andere von der Arbeit des Künstlers profitierten. (Update: Anscheinend habe ich Marco falsch verstanden. So eine Meinung hat er nicht artikuliert. Das ändert an meinen folgenden Argumenten und meiner Meinung jedoch nichts.) Leider hatte ich keine Zeit für das Panel Was heißt schon NC?, doch aus der Beschreibung habe ich entnommen, dass es dabei auch nur darum ging, wie der Künstler selbst Geld mit unter NC-Bedingungen lizenzierten Werken verdienen kann. Das ist, mit Verlaub, eine ziemlich egoistische Haltung, die so gar nicht mit dem Gedanken von freier Kultur zusammenpassen will.

Ich bin erst neulich selbst darauf gestoßen, wegen eines Hinweises bei Felix Neumann. Er verlinkt da einen Artikel, der nicht nur ihm, sondern auch mir vor Augen geführt hat, dass das völliger Quatsch ist, mit den NC-Lizenzen. Eine SA (Share alike) reicht absolut aus. Denn jeder, der solche Inhalte nimmt und sie zu Geld machen will, muss diese wiederum unter einer mindestens gleich freien Lizenz vertreiben. Das heißt: er kann zwar Geld dafür verlangen, aber das, was er verkaufen will, muss zwangsläufig wieder frei kopierbar sein. Daraus folgen einige wichtige Dinge.

Zum einen kann keine Kultursenke entstehen, wo freies Kulturgut hinein gerät und für den freiheitlichen Kulturmarkt verloren ist. Die Werke bleiben frei.

Zum anderen ermöglicht es dieses Modell aber auch, dass jemand, der eine richtig gute Idee hat, wie man aus einem Werk Kapital schlagen kann, weil er es auf bestimmte Weise erweitert, oder Dienste drumherum anbietet o.ä. das einfach tun kann. Hier kann freie Kunst auf eine weitere Art helfen, Kreativität anzuregen, ohne unnötige Schranken aufzubauen. Denn dem Künstler wird ja nichts vorenthalten. Er hat selbst bestimmte Ideen, wie von seinem Zeug leben kann (oder auch nicht, will es aber trotzdem nicht lassen). Warum sollte er jemandem verbieten wollen, eigene Ideen zu entwickeln. Es muss doch nicht immer jeder allumfassend genial sein. Das hat auch was mit remixen und dem Aufgreifen vorhandener Dinge zu tun.

Zum dritten können NC-Lizenzen erhebliche Probleme für den ganz normalen Website- oder Blogbetreiber aufwerfen. Sobald nämlich jemand Werbung einblendet, um sich die monatlichen Kosten für den Server wieder annähernd reinzuholen, oder einen Flattr-Button (gibt's auch hier im Blog :) ) einbindet, kann das als kommerziell gelten. Damit würden eine Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten von freien Kulturgütern wegfallen und umgekehrt auch dem Urheber eine geringere Verbreitung bescheren.

Alles in Allem also: NC-Lizenzen sind schlecht. Denkt daran.

Flattr this

Flattrhaftes

Ich probiere jetzt auch mal Flattr aus. Ich glaube, dass es eine insgesamt gute Idee ist, von der sich nur durch großflächiges Testen zeigen kann, a) wo die Schwachstellen sind, b) ob es "was bringt" und c) ob derartige Systeme Potential haben, aus der Nische auf die Masse der Nutzer überzuspringen. Die ureigene Eigenschaft von Inhalten im Netz – dass sie gratis verfügbar sein müssen, um einen signifikanten Anteil der User zu erreichen – wird durch Systeme wie Flattr nicht angetastet. Jeder Inhalt, unter dem so ein Button prangt, kann problemlos konsumiert werden, ohne dass der Leser auch nur wissen muss, was das ist, geschweige denn verpflichtet wäre, einen Obolus zu entrichten.

Es bestehen wesentliche Unterschiede zwischen Dingen wie schnell eine Banknote in einen Umschlag zu packen und an den geschätzten Blogger zu senden oder ein ausgewähltes Item von dessen Amazon-Wishlist für ihn zu kaufen auf der einen Seite und einem Flattr-Klick auf der anderen. Der erste Unterschied ist die bezahlte Summe. Wenn man wirklich über lange Zeit begeistert von der Arbeit von jemandem im Netz ist und es sich leisten kann, dann spricht nichts dagegen, auch einmalig etwas mehr Geld auszugeben und demjenigen ein echtes Geschenk zu machen. Solche Fälle sind aber selten. Der Bruchteil des eigenen Flattr-Budgets, der pro Klick weitergegeben wird, ist monetär gesehen ungleich weniger wert. Die Handlung wird dadurch nahezu zu einer symbolischen. Der Punkt ist, dass sich diese symbolischen Kleinstbeträge verschiedener Nutzer aufsummieren und am Ende doch ein erwähnenswerter Betrag für den Inhaltslieferanten rumkommt. Das heißt, aus der symbolischen Geste des Anerkennens eines Einzelnen wird (im besten Fall) durch die Menge der Teilnehmenden ein kleines Zusatzeinkommen.

Zum anderen können einzelne Beiträge geflattrt werden. Ein "großes" Geschenk kann immer nur für das Gesamtwerk, für den ganzen Menschen sozusagen gelten. (Den einzelnen Blogbeitrag zum Beispiel will ich erstmal sehen, der einem Leser 10 Euro wert ist.) Durch Flattr hat man die Möglichkeit ganz gezielt Einzelnes zu belohnen. Die Kriterien, die man dabei anlegen möchte, sind ja jedem Nutzer selbst überlassen. Will ich alles flattrn, was ich in einem Monat lese und nicht ganz katastrophal fand? Will ich vielleicht nur drei oder vier hervorragende Artikel pro Monat belohnen. Jeder Jeck is anders, wie man hier sagt.

Zum dritten ist die Schwelle niedriger. Wesentlich niedriger. Machen wir uns doch nichts vor. Menschen, über den groben Kamm geschert alle Menschen, sind faul. Man kann sich bewusst oder unbewusst disziplinieren, aber es dauert in der Regel deutlich länger bis man sich motiviert hat, tatsächlich Zeit (und wie gesagt relativ viel Geld) darein zu investieren, etwa ein Buch bei Amazon für jemand fremden auszuwählen und zu bestellen. Selbst wenn, und das ist der Punkt, man grundsätzlich jemandem etwas geben möchte für die Arbeit, die er sich freiwillig gemacht hat. Für Flattr reichen ein bis zwei Klicks. Jetzt kann man es entweder bemängeln, dass solche Systeme die schlechten Eigenschaften der Menschen bedienen, anstatt ihre guten zu fördern, sie gleichsam zu erziehen. Oder man kann sich einfach darüber freuen, dass Menschen trotz ihrer schlechten Eigenschaften ermöglicht wird, etwas zu tun, das sie für gut und richtig halten.

Es geht auch nicht in erster Linie darum, Inhalte im Netz zu Geld zu machen. Es ist nicht so, dass jetzt ein neuer Hype schafft, was Verlage usw. seit langem versuchen, gegen den Willen der Netzuser durchzusetzen: paid content. Nein, es ist eine Form der Anerkennung für Geleistetes. Wohlgemerkt: eine weitere. Anerkennung lässt sich auf mannigfaltigen Wegen zeigen. Man kann Artikel kommentieren, man kann begeisterte Emails an den Autor schreiben, den Link zu etwas Großartigem an alle seine Freunde weiterleiten … und jetzt eben auch noch per Flattr ein paar Cents da lassen. Kommentare und Emails kosten Zeit, die man gern immer hätte, aber oft nicht hat. Oder man will schlicht nicht mit Wort und Schrift in Erscheinung treten. Oder man weiß einfach nicht genau, was man schreiben soll. Manchmal möchte man vielleicht Anerkennung zeigen für etwas, von dem man glaubt, dass es nur einen selbst gerade sehr berührt hat o.ä., deshalb kann man es vielleicht nicht an seine Freunde verteilen. Jede im Netz mögliche Form der Dankbarkeit hat ihre spezifische Situation und Begründung. ich glaube, dass dies auch für Micropayment gilt.

Die Befürchtung von vielen, dass am Ende nur unter einer überschaubaren Gruppe von Bloggern das Geld gegenseitig hin und her geschoben wird während nur Flattr dabei wirklich verdient, ist zunächst berechtigt. Aber es geht ja gerade darum, ein Experiment zu machen. Kann so ein Dienst eine kritische Masse überschreiten? Damit noch jemand außer Flattr davon profitiert, muss es mehr Menschen geben, die zahlen, als welche, die Zahlungen erhalten. Ob das geschieht, kann man nur durch den Versuch herausfinden. Dabei wird sich auch herausstellen, ob der Betrag, den Flattr einbehält, zu groß ist. Viele (ich auch) glauben, dass sei der Fall. Wenn ich mich richtig erinnere hat die Firma bereits angekündigt, die "erforderliche" (jaja, ich weiß schon) Höhe zu überprüfen und ggfs. den Prozentsatz anzupassen. Man wird das beobachten müssen, um sich immer wieder erneut zu entscheiden, ob die Dinge richtig laufen oder nicht.

Zu guter Letzt noch ein Problem, auf das ich ehrlich gesagt erst durch Fefe gekommen bin. Wenn man den Flattr-Button in der dynamischen Version einbindet, also sich fancy anzeigen lässt, wie viele Leute etwas schon geflattrt haben, dann wird bei jeder einzelnen Betrachtung dieser Seite, egal, ob der Leser auf den Button klickt oder nicht, eine Anfrage auf den Server von Flattr getriggert (und damit IP und sonstige Daten dorthin übermittelt). Ich halte das ebenso wie Fefe und viele andere für inakzeptabel. Flattr bietet allerdings die Möglichkeit eines statischen Buttons an. Das ist einfach nur ein Bild mit einem Link zur zugehörigen Flattr-Seite. Im bereitgestellten Code liegt diese Bilddatei zwar auch auf einem Server von Flattr, aber niemand hindert einen ja daran, sich das Bild runterzuladen, auf den eigenen Server zu packen und den Code leicht anzupassen. Wenn also unter meinen Artikeln so ein Button auftaucht, dann wird da erstmal gar nix an Flattr übermittelt. Erst wenn jemand freiwillig draufdrückt. Also: Augen auf beim Buttonkauf!

Ach übrigens apropos Flattr auf meinem Blog: Ich habe weder die Hoffnung, noch den Wunsch damit irgendetwas zu verdienen. Mir geht es bei dem Dienst in erster Linie darum, dass ich selbst etwas geben kann. Aber wenn man schon die Möglichkeit hat ... schaden tut es ja auch nicht, falls sich mal jemand hierher verirrt. :)