kritikant

laut nachgedacht

Zum Zubehör springen

Schlagworte: der hobbit

Daheim verblasst

Da ist er endlich, der Hobbit. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass seit der Rückkehr des Königs tatsächlich schon neun Jahre vergangen sind. Aber mit dem Beginn, mit den ersten Bildern des Hobbits wird sofort zweierlei klar: Hier hat sich einiges verändert, und verdammt, wie hat mir Mittelerde gefehlt, ohne dass ich es wusste.

Der Film lässt sich zu Beginn sehr viel Zeit und setzt damit konsequent fort, was schon der Herr der Ringe von Anfang an klar gemacht hatte: Das hier ist ein Epos. Setz dich hin, halt die Klappe und erwache erst Stunden später aus der Trance. Dabei ist der kleine Hobbit als Buch doch ganz anders als der riesige Herr der Ringe. Es ist im Wesentlichen eine Kindererzählung. Geradeaus, ohne Verästelungen und Verstrickungen, there and back again eben. Damit hat sich Peter Jackson aber nicht zufrieden gegeben.

Faszinierend ist, dass im Hobbit beides erfolgreich miteinander verbunden wird. Auf der einen Seite eine Welt, die uns einsaugt, nicht mehr loslässt, mit Schlachtengetümmel fesselt und die von atemberaubender Schönheit ist. Auf der anderen Seite, ist es die Gute-Nacht-Geschichte, die Kindergeschichte, die ein bisschen zu bunt ist, ein bisschen zu lustig – bis ins alberne – und die uns keine Angst macht. Apropos ein bisschen zu bunt: Die Farben werden anscheinend auf die 48 fps der Aufnahme zurückgeführt. Ich weiß nicht, ob es wirklich daran liegt. Was ich aber weiß, ist, dass ich noch nie zuvor einen 3D-Film gesehen habe, der visuell so natürlich funktioniert hat. Es war überhaupt nicht anstrengend, fast nie störend, vor allem auch nicht aufdringlich. Das könnte natürlich auch damit zu tun haben, dass 3D hier alles in allem etwas dezenter eingesetzt wird. Möglicherweise befinden wir uns langsam auf dem Weg des Erwachsenwerdens des dreidimensionalen Kinos.

So unterscheidet sich der Hobbit allein von der Farbgebung her von der Vorgänger-Trilogie. Wo das Mittelerde vom Herrn der Ringe bisweilen zwar erschütternd schön sein, aber auch Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit verbreiten konnte, ist das des Hobbits ein Märchenland. Selbst wenn Orkhorden und Wargs den Helden auf den Fersen sind, selbst wenn Riesenspinnen den Wald unsicher machen, der Zuschauer glaubt immer noch, er könnte doch kurz anhalten und Bonbons am Wegrand pflücken.

Die Erzählung kann sich erlauben, sehr dicht am Buch zu sein, weil die Vorlage einfach viel weniger umfangreich ist. Es gibt natürlich auch diesmal Episoden, die so nicht bei Tolkien stehen, aber sie schaden (bisher) auch nicht und es fehlt ja nichts. Und doch sind manche Dinge ganz leicht verschoben. Die Gemeinschaft der Zwerge, insbesondere ihr Anführer Thorin erscheint viel älter, viel gebrochener und teils auch verzweifelter, als ich mich erinnere, dass es im Buch wäre. Genau diese Dinge, die "menschlicheren", fehlerhaften Chrakatere, die auch wunderbar ausgespielt werden, sind es, die den Film vielleicht auch erst wirklich zu einem Genuss machen. Wie Süßspeisen erst perfekt sind, wenn sie nicht mehr ganz süß sind, sondern einen Hauch Salz oder Bitterkeit enthalten, so geht es mir auch mit dem Candyland des Hobbits, der irgendwo seine dunkleren Facetten herbekommen muss.

Ich bin jedenfalls ganz hingerissen vom Hobbit. Die – teils altbekannten – Schauspieler, die Landschaft, die Musik. Ach was hatte ich einen Spaß. Ich glaube, ich muss mir bald nochmal den Herrn der Ringe geben. Und vielleicht sogar noch einmal den Hobbit.

Das Allerbeste aber ist: Im März bin ich da. Ich werde mit der Frau an meiner Seite durch Mittelerde laufen und wahrscheinlich noch viel fassungsloser sein, als man je vor einer Kinoleinwand sein könnte. Und die Welt rückt nah.