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Evernote, Android und ein Plan

Dort hatte ich mich ja auf die Suche nach einem probaten Werkzeug begeben, mit dem ich alles archivieren kann, was ich im Netz so an Texten lese. Ausgelagertes Gedächtnis, wissenschon. Ich habe Diigo nicht ausprobiert, sondern bin stattdessen wie so viele andere bei Evernote gelandet.

Vorteile von Evernote: Es ist auf allen Plattformen verfügbar; ich kann dort Volltexte inklusive Links speichern und zwar in einer Menge, an die ich bisher nicht rankomme; ich kann taggen (hach, das readlater-Tag, Geißel und Verheißung der Menschheit!); es gibt Bookmarklets, Browserextensions und es integriert sich in die Share-Funktion von Android. Hervorragend!

Apropos Android, da sind wir ja schon beim größten Problem. Warum, for god’s FUCKING sake, wird mit der Sharing-Funktion nur die URL übertragen?! Warum kann das nicht genauso funktionieren wie zum Beispiel im Google Reader, wo ich auf „Senden an -> Evernote“ klicke und dann wird das Verschickte nicht aus dem Reader an Evernote übertragen, sondern Evernote erhält einen Verweis auf die URL des Originaltexts (nicht des Feeditems) und holt sich den Text dann von dort? Wie schwierig kann das denn zu implementieren sein? So muss ich jetzt ständig Zeit darauf verwenden, wenn ich an einem richtigen™ Rechner sitze, meine nur aus URLs bestehenden Notizen einzeln aufzurufen und per Copy & Paste die Texte von Hand in Evernote zu kopieren. Es ist zum Haareausraufen!

Trotzdem ist es schon mal besser als vorher und ich habe jetzt seit Mitte Oktober knapp 400 Texte gesammelt, auf deren Inhalt ich zentral zugreifen kann. Das ist ganz komfortabel. Ich muss auch sagen, dass ich eine ganz passable Disziplin an den Tag lege und fast nie vergesse, etwas nach Evernote zu schieben, das ich gelesen habe. Manche Dinge pflege ich extra nicht ein, zum Beispiel das Meiste aus Fefes Blog. Das ist mir zu viel, die Beiträge sind meistens sehr kurz und bestehen im Wesentlichen aus kommentierten Links. Entweder die Texte hinter den Links fliegen nach Evernote oder es ist den Aufwand nicht wert. Ich archiviere ja auch nicht alle Webcomics, die ich zur Unterhaltung lese. Ebenso andere Beiträge, die bessere Linklisten sind oder kurze Hinweise oder Texte, die ich zwar überfliege, aber dann nicht interessant genug finde. Falls ich da doch mal was suchen sollte, weiß ich, dass praktisch alles davon im Reader ist, den ich ja auch durchsuchen kann.

So, und jetzt habe ich mir überlegt, dass ich versuche eine wöchentliche kleine Linkliste hier im Blog zu posten, auf der die empfehlenswertesten Texte der vergangenen Woche stehen. Da ja die Empfehlungen aus dem Reader wegfallen und ich nicht immer alles zu Twitter schieben kann oder will, ist das ne ganz gute Sache. Außerdem habe ich mir sagen lassen, dass das ja im Grunde der Beginn der Blogs überhaupt war: Weblogs eben, Listen mit tollen Sachen, die man so im Web gefunden hat. Die hat man dann oft noch kommentiert, warum die toll sind und was sich dahinter verbirgt, und das werde ich auch tun. Gucken wir mal, wie gut und regelmäßig das klappt. Eigentlich möchte ich das immer Mittwochs tun (weil ich da grundsätzlich ein großes Zeitfenster habe, in das das passen würde) aber die Premiere werde ich wohl heute starten. Genaugenommen …

Flattr this

Flattrhaftes

Ich probiere jetzt auch mal Flattr aus. Ich glaube, dass es eine insgesamt gute Idee ist, von der sich nur durch großflächiges Testen zeigen kann, a) wo die Schwachstellen sind, b) ob es "was bringt" und c) ob derartige Systeme Potential haben, aus der Nische auf die Masse der Nutzer überzuspringen. Die ureigene Eigenschaft von Inhalten im Netz – dass sie gratis verfügbar sein müssen, um einen signifikanten Anteil der User zu erreichen – wird durch Systeme wie Flattr nicht angetastet. Jeder Inhalt, unter dem so ein Button prangt, kann problemlos konsumiert werden, ohne dass der Leser auch nur wissen muss, was das ist, geschweige denn verpflichtet wäre, einen Obolus zu entrichten.

Es bestehen wesentliche Unterschiede zwischen Dingen wie schnell eine Banknote in einen Umschlag zu packen und an den geschätzten Blogger zu senden oder ein ausgewähltes Item von dessen Amazon-Wishlist für ihn zu kaufen auf der einen Seite und einem Flattr-Klick auf der anderen. Der erste Unterschied ist die bezahlte Summe. Wenn man wirklich über lange Zeit begeistert von der Arbeit von jemandem im Netz ist und es sich leisten kann, dann spricht nichts dagegen, auch einmalig etwas mehr Geld auszugeben und demjenigen ein echtes Geschenk zu machen. Solche Fälle sind aber selten. Der Bruchteil des eigenen Flattr-Budgets, der pro Klick weitergegeben wird, ist monetär gesehen ungleich weniger wert. Die Handlung wird dadurch nahezu zu einer symbolischen. Der Punkt ist, dass sich diese symbolischen Kleinstbeträge verschiedener Nutzer aufsummieren und am Ende doch ein erwähnenswerter Betrag für den Inhaltslieferanten rumkommt. Das heißt, aus der symbolischen Geste des Anerkennens eines Einzelnen wird (im besten Fall) durch die Menge der Teilnehmenden ein kleines Zusatzeinkommen.

Zum anderen können einzelne Beiträge geflattrt werden. Ein "großes" Geschenk kann immer nur für das Gesamtwerk, für den ganzen Menschen sozusagen gelten. (Den einzelnen Blogbeitrag zum Beispiel will ich erstmal sehen, der einem Leser 10 Euro wert ist.) Durch Flattr hat man die Möglichkeit ganz gezielt Einzelnes zu belohnen. Die Kriterien, die man dabei anlegen möchte, sind ja jedem Nutzer selbst überlassen. Will ich alles flattrn, was ich in einem Monat lese und nicht ganz katastrophal fand? Will ich vielleicht nur drei oder vier hervorragende Artikel pro Monat belohnen. Jeder Jeck is anders, wie man hier sagt.

Zum dritten ist die Schwelle niedriger. Wesentlich niedriger. Machen wir uns doch nichts vor. Menschen, über den groben Kamm geschert alle Menschen, sind faul. Man kann sich bewusst oder unbewusst disziplinieren, aber es dauert in der Regel deutlich länger bis man sich motiviert hat, tatsächlich Zeit (und wie gesagt relativ viel Geld) darein zu investieren, etwa ein Buch bei Amazon für jemand fremden auszuwählen und zu bestellen. Selbst wenn, und das ist der Punkt, man grundsätzlich jemandem etwas geben möchte für die Arbeit, die er sich freiwillig gemacht hat. Für Flattr reichen ein bis zwei Klicks. Jetzt kann man es entweder bemängeln, dass solche Systeme die schlechten Eigenschaften der Menschen bedienen, anstatt ihre guten zu fördern, sie gleichsam zu erziehen. Oder man kann sich einfach darüber freuen, dass Menschen trotz ihrer schlechten Eigenschaften ermöglicht wird, etwas zu tun, das sie für gut und richtig halten.

Es geht auch nicht in erster Linie darum, Inhalte im Netz zu Geld zu machen. Es ist nicht so, dass jetzt ein neuer Hype schafft, was Verlage usw. seit langem versuchen, gegen den Willen der Netzuser durchzusetzen: paid content. Nein, es ist eine Form der Anerkennung für Geleistetes. Wohlgemerkt: eine weitere. Anerkennung lässt sich auf mannigfaltigen Wegen zeigen. Man kann Artikel kommentieren, man kann begeisterte Emails an den Autor schreiben, den Link zu etwas Großartigem an alle seine Freunde weiterleiten … und jetzt eben auch noch per Flattr ein paar Cents da lassen. Kommentare und Emails kosten Zeit, die man gern immer hätte, aber oft nicht hat. Oder man will schlicht nicht mit Wort und Schrift in Erscheinung treten. Oder man weiß einfach nicht genau, was man schreiben soll. Manchmal möchte man vielleicht Anerkennung zeigen für etwas, von dem man glaubt, dass es nur einen selbst gerade sehr berührt hat o.ä., deshalb kann man es vielleicht nicht an seine Freunde verteilen. Jede im Netz mögliche Form der Dankbarkeit hat ihre spezifische Situation und Begründung. ich glaube, dass dies auch für Micropayment gilt.

Die Befürchtung von vielen, dass am Ende nur unter einer überschaubaren Gruppe von Bloggern das Geld gegenseitig hin und her geschoben wird während nur Flattr dabei wirklich verdient, ist zunächst berechtigt. Aber es geht ja gerade darum, ein Experiment zu machen. Kann so ein Dienst eine kritische Masse überschreiten? Damit noch jemand außer Flattr davon profitiert, muss es mehr Menschen geben, die zahlen, als welche, die Zahlungen erhalten. Ob das geschieht, kann man nur durch den Versuch herausfinden. Dabei wird sich auch herausstellen, ob der Betrag, den Flattr einbehält, zu groß ist. Viele (ich auch) glauben, dass sei der Fall. Wenn ich mich richtig erinnere hat die Firma bereits angekündigt, die "erforderliche" (jaja, ich weiß schon) Höhe zu überprüfen und ggfs. den Prozentsatz anzupassen. Man wird das beobachten müssen, um sich immer wieder erneut zu entscheiden, ob die Dinge richtig laufen oder nicht.

Zu guter Letzt noch ein Problem, auf das ich ehrlich gesagt erst durch Fefe gekommen bin. Wenn man den Flattr-Button in der dynamischen Version einbindet, also sich fancy anzeigen lässt, wie viele Leute etwas schon geflattrt haben, dann wird bei jeder einzelnen Betrachtung dieser Seite, egal, ob der Leser auf den Button klickt oder nicht, eine Anfrage auf den Server von Flattr getriggert (und damit IP und sonstige Daten dorthin übermittelt). Ich halte das ebenso wie Fefe und viele andere für inakzeptabel. Flattr bietet allerdings die Möglichkeit eines statischen Buttons an. Das ist einfach nur ein Bild mit einem Link zur zugehörigen Flattr-Seite. Im bereitgestellten Code liegt diese Bilddatei zwar auch auf einem Server von Flattr, aber niemand hindert einen ja daran, sich das Bild runterzuladen, auf den eigenen Server zu packen und den Code leicht anzupassen. Wenn also unter meinen Artikeln so ein Button auftaucht, dann wird da erstmal gar nix an Flattr übermittelt. Erst wenn jemand freiwillig draufdrückt. Also: Augen auf beim Buttonkauf!

Ach übrigens apropos Flattr auf meinem Blog: Ich habe weder die Hoffnung, noch den Wunsch damit irgendetwas zu verdienen. Mir geht es bei dem Dienst in erster Linie darum, dass ich selbst etwas geben kann. Aber wenn man schon die Möglichkeit hat ... schaden tut es ja auch nicht, falls sich mal jemand hierher verirrt. :)