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Schlagworte: öffentlichkeit

Ziellose Gedanken über Privatsphäre. Veröffentlicht.

Die Debatte um den Datenschutz und die Privatsphäre ist in den letzten Monaten ganz schön hochgekocht. Innerhalb der Gruppe der intensiveren Internet- und Computernutzer macht sich gerade eine merkwürdige Lagerbildung breit. Auf der einen Seite die Spackeria, die mit fatalistischem Gestus davon überzeugt ist, dass wir das ganze Privatsphärengepäck, das wir seit ein paar dutzend Jahrzehnten mit uns rumschleppen, einfach in die Tonne treten können, weil es durch das Netz systembedingt unterlaufen wird. Auf der anderen Seite mit der ebenfalls wenig schmeichelnden Bezeichnung Aluhüte diejenigen, die zwar auch glauben, dass die aktuellen Datenschutz-Bestimmungen nicht mehr greifen, aber als Reaktion darauf eher deren Anpassung, Erneuerung und Durchsetzung sehen wollen.

Ich habe keine Lust, mich mit Juchhe den einen oder den anderen anzuschließen. Ich teile das dumpf im Hinterkopf lagernde und leicht alt-cyberhippiesk anmutende Bewusstsein, dass man doch Privatsphäre irgendwie braucht. Andererseits glaube ich, dass wir gerade durch eine Zeit gehen, in der sich genau durch das Netz und durch Computer unheimlich viel verändert und dabei Vieles, teils auch Liebgewonnenes, auf der Strecke bleibt. Es bleibt deswegen auf der Strecke, weil die Gesellschaft gleichzeitig Anderes, Neues erhält, was den Verlust wert ist.

Ich frage mich also: wo stehe ich eigentlich? Was ist denn meine Meinung zu Privatsphäre, Geheimnis, Öffentlichkeit und Transparenz?

Wozu dient mir denn – mir ganz persönlich – meine Privatsphäre? Was bedeutet sie mir? Ich habe das primitive Bedürfnis nach Schutz. Ich empfinde mich, meinen Körper und meinen Geist als verletzlich und möchte möglichen Schaden von ihnen abhalten. Das bedeutet nicht, dass ich glaube, auch nicht unbewusst, dass mir Schaden real entsteht, sobald meine Schutzmechanismen nicht mehr vorhanden sind. Es geht hierbei um gefühlte Sicherheit. Doch das macht das Ganze nicht weniger wichtig. Das ist ein grundmenschliches Bedürfnis. Wir befinden uns hier noch auf einer Instinktebene, die über zig Jahrtausende evolutionär entstanden ist. Sie lässt sich nicht in ein paar Jahren von Technologie oder ihren Hohepriestern aushebeln. Diese Bedürfnis nach gefühlter Sicherheit prägt sich in zweiter Linie natürlich kulturell aus. Unsere Gesellschaft ist zum Beispiel daran gewöhnt, dass wir in der Öffentlichkeit Kleidung tragen. Tun wir das nicht, setzen wir uns Blicken und Reaktionen aus, die uns verletzen können (unseren Geist). Diverse indigene Völker haben kein so vergleichbares Gefühl der Scham oder den Willen, sich verhüllen zu müssen, damit beispielsweise niemand ihre Geschlechtsteile sehen kann. Das bedeutet aber nicht, dass ihnen das Bedürfnis nach Sicherheitsgefühl fehlt. Die Gemeinschaft, das eigene Haus oder noch ganz andere Dinge dienen ihnen dazu, ein Gefühl von Sicherheit zu geben.

Doch zurück zur Privatsphäre. Sie ist, da bin ich mir sicher, die für unsere Gesellschaft gültige Befriedigung eines Urinstinkts. Wir lernen schon als Kinder, dass Informationen über uns gegen uns verwendet werden können. Gib mir deine Schokolade oder ich sage Mama, was du kaputt gemacht hast. Oder noch ausgefeilter: Ich weiß, dass dies deine Lieblingsschokolade ist. Gib mir die, sonst … Wir können uns gegenseitig erpressen oder absichtlich Schaden zufügen, wenn wir Informationen über den Anderen haben. Das ist keine besonders schöne Seite am Menschen, doch es ist eine, die sicher der Mehrheit der Weltbevölkerung zu eigen ist. Deswegen ist es Selbstschutz, Anderen so wenig Informationen über uns wie möglich zu geben. Je intimer die Information ist, je größer der gefühlte mögliche Schaden, den jemand mit dieser Information anrichten kann, desto besser hüten wir sie. Manches über uns wissen nur unsere engen Freunde, manches nur die Familie, manches nur der Partner und manches weiß niemand außer uns selbst. Mit jeder Information, die wir jemandem über uns geben, lockern wir unsere Verteidigung, bieten wir potentielle Angriffsfläche. Jede Informationsübermittlung ist deshalb ein Vertrauensbeweis. Je wertvoller die Information (für uns bzw. in unserem Glauben), desto größer das nötige Vertrauen.

Soweit die Grundbedingungen. Doch als Menschen können wir versuchen, uns von Instinkten zu emanzipieren. Wir können uns an einen FKK-Strand begeben. Wir können unsere Namen und Adressen auf unser T-Shirt drucken, oder den Schriftzug Ich habe AIDS, Ich fühle mich von Minderjährigen erotisch angezogen. oder Ich bin illegaler Einwanderer. Ebenso gut können wir unsere Partyfotos in unser Facebookprofil laden, unsere politischen Überzeugungen twittern oder außergewöhnlichen Sexpraktiken am Fenster zur Straße hin nachgehen. Wir müssen nur überzeugt sein, die Konsequenzen aushalten zu können. Doch diese Aufzählung sollte deutlich gemacht haben, dass Information nicht gleich Information ist. Und bezogen auf die Technik: Information ist auch nicht gleich Information, wenn sie sich in Datenbanken speichern lässt. Vollkommen dumm ist die immer wieder gehörte, polemische Forderung an die Verfechter und Theoretiker der sogenannten Post-Privacy, dass sie doch mal ihre Kreditkartennummern herausrücken sollen, sie wollten ja schließlich, dass alle Informationen frei zugänglich sind. Wer solche Idiotismen von sich gibt, delegitimiert sich in meinen Augen völlig, an der notwendigen Debatte teilzunehmen. Trotzdem ist es nicht ganz so einfach, wie man hier versucht ist zu glauben: Es ließe sich ja der Standpunkt vertreten, jeder müsse halt lernen, im Netz Informationen über sich genau wie im restlichen Leben nur in dem Maß mitzuteilen, wie er es ob des möglichen Schadens für ihn vertreten will. Wenn ich zum Beispiel glaube, dass Fotos von mir im Zustand alkoholischer Umnachtung schlechten Einfluss auf zukünftige Bewerbungen ausüben würden (um dieses Klischee auch in diesem Privacy-Text unterzubringen), dann sollte ich keine ins Netz stellen. Nie. Auf keine Plattform. Denn sollte ich das doch tun, dann beginnt potentiell sofort ein Aspekt des Kontrollverlusts zu greifen. Alles im Netz ist kopierbar, und sollte ich einen Dienst (und nicht etwa meine eigene Website) dafür nutzen, kann ich nie sicher sein, dass die Inhalte auch tatsächlich gelöscht werden, wenn ich auf Löschen klicke. Davon abgesehen können über öffentlich zugängliche digitale Daten Programme aller möglichen Arten laufen gelassen werden; Gesichtserkennung zum Beispiel.

Ach, das wäre doch schon die Lösung! Diese ganzen Exhibitionisten-Spackos können weiterhin der interessierten Öffentlichkeit ihre Klogänge und Aufenthaltsorte mitteilen und alle Anderen haben weiterhin ihre gute alte Privatsphäre. Doch wie gesagt: so einfach ist es nicht. Das lebendigste Beispiel, und vor allem noch sehr präsent in den Köpfen, ist Google Street View. Bis hierher konnten die Leute noch sagen: Ich geh nicht ins Internet. Ist mir alles egal, interessiert mich nicht, was da passiert und dafür weiß das Internet auch nichts über mich. Jetzt schon. Auch wenn ich der tiefen Überzeugung bin, dass Hausfassaden nicht zur Privatsphäre gehören, nicht gegen Fotografieren und veröffentlichen geschützt werden müssen; hier hat die breite Masse der Bevölkerung wahrscheinlich zum ersten Mal gemerkt, dass sie sich dem Netz nicht durch bloße Nichtbeachtung entziehen kann. Es kann dich sehen. Zumindest schon mal dein Haus.

In Social Networks passiert Ähnliches. Ich brauche überhaupt kein Facebookprofil, um trotzdem Partyfotos von mir auf Facebook zu haben. Es genügt, dass ich neulich auf dieser Party war, jemand mich fotografiert hat, das Foto in seinen Account hochgeladen und mich darauf namentlich markiert hat. Dä. Das kann man gemein finden, das kann man auch versuchen rechtlich zu unterbinden, aber was man nicht kann, ist, es verhindern.

Vielleicht hilft es ja, sich mal zu fragen, ob man Informationen auch danach klassifizieren kann, ob und wie man verhindern kann, dass sie öffentlich werden. Fotos? Zonk. Gesichtserkennung ist da und Menschen taggen sich schon eine ganze Weile gegenseitig auf Bildern. Wohngegend? Zonk. Street View und Ähnliches bilden sie ab. Vieles Andere dagegen unterliegt meiner eigenen Entscheidung. Allem voran: meine Gedanken. Alles, was in meinem Kopf geschieht, muss nicht öffentlich sein. Erst, wenn ich es einmal veröffentlicht habe, ist es nicht mehr zu kontrollieren und erst recht nicht wieder einzufangen. Die Entscheidung, etwas öffentlich zu machen, lässt sich nicht mehr revidieren. Ich habe mir und meiner damals noch zukünftigen Frau einmal einen Silvesterabend ziemlich verunangenehmt, weil ich einen meiner Gedanken getwittert habe. Die Lehre, die ich daraus gezogen habe, ist allerdings nicht, dass ich lieber keine persönlichen Dinge mehr veröffentliche. Dieses Ereignis hat mir schlagartig klargemacht, wie sehr online und offline verschmolzen sind, bzw. dass es sich gar nicht mehr lohnt, das zu trennen. Seitdem bin ich mir stärker als je bewusst, dass jeder lesen kann, was man veröffentlicht. So wenig sinnvoll es ist, sich über die Öffentlichkeit von nicht kontrollierbaren Informationen (Fotos etc.) aufzuregen, so sehr muss jeder für sich darüber nachdenken, was er denn mit dem Rest macht. Mir hat es damals wirklich geholfen im Nachhinein. Ich freue mich rückblickend, dass in meiner Beziehung mehr Information miteinander geteilt wird und es ist absolut beziehungsdefinierend bei uns, dass es keinerlei Informationstabus gibt.

Es gibt trotzdem mit Sicherheit jede Menge Dinge, Gedanken, Erlebnisse usw., die ich nicht veröffentliche. Die aber auch nicht Gefahr laufen, öffentlich zu werden. Nicht Facebook macht mein Leben öffentlich. Twitter ebenso nicht. Ich tue das. Sich über die Privatsphäre-Einstellungen von solchen Diensten oder die fahrlässige Nutzungsart Anderer zu echauffieren, ist ungefähr wie mit Überraschung festzustellen, dass man sich mit seinem Auto um einen Baum wickeln kann. Oder, dass einen ein Vollidiot besoffen von der Straße gedrängt hat. Steig nicht ins Auto, wenn du das fürchtest. Und wenn du doch rein steigst, dann denke ständig gut darüber nach, wie du es benutzt, um dein Risiko zu minimieren.

Vor allem aber sollte sich jeder vor Augen halten, dass es nicht Facebook oder ein anderer Dienst ist, der uns unsere schöne, althergebrachte Privatsphäre verändert und aufweicht. Es ist das Netz. By design. Es gibt nicht einen einzigen Punkt, den man kontrollieren könnte und damit wäre es dann gut. Es ist nicht ein Arzt oder ein Pfarrer, der sich nicht an seine Schweigepflicht gehalten hat und den man dafür drankriegen kann. Es ist eine ganze Welt, die einfach anderen Regeln unterliegt und mit der man umgehen lernen muss.

Dieser Text ist nicht fertig, aber vorerst zu Ende. Er liegt schon zu lange unveröffentlicht auf meiner Festplatte rum.

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Gedanken zur Öffentlichkeit des Netzes

Das Internet hat unsere Gesellschaft so drastisch verändert, dass es im angeschlossenen Teil der Welt nicht mehr möglich ist, ohne das Netz zu leben. Als Individuum, natürlich, das geht ohne Weiteres (wenn man den richtigen, oder besser: nicht den falschen Beruf hat). Als Gesellschaft jedoch sind wir darauf angewiesen. Alles läuft über das Netz. Nicht nur für ein paar Nerds, die es sich in ihrer Blase gemütlich eingerichtet haben.

Und obwohl das bereits so ist, stehen wir trotzdem noch auf einer Schwelle, gewissermaßen in einem digitalen Fegefeuer, das uns reinigen muss von allem, was nicht mehr in das Leben danach gehört (und wir wissen noch nicht, was das sein wird – obwohl Viele glauben es zu wissen). Dieses Fegefeuer inkarniert als handfeste politische, rechtliche und wirtschaftliche, aber auch Privat-Individuelles betreffende Auseinandersetzungen jeweils zwischen Teilen der Gesellschaft. Interessant sind diese Auseinandersetzungen ausnahmslos. Seit einiger Zeit, nicht erst aber besonders seitdem Google den Start von Street View angekündigt hat, gewinnt eine davon (wieder) an Fahrt: Wie lässt sich, wenn überhaupt, öffentlicher Raum in die digitale Sphäre, das Netz, übertragen? Was für Verluste, was für Gewinne kommen dabei für uns als Gesellschaft herum?

Picki hat dabei gestern einige sehr interessante Fragen gestellt wie unter anderem:

Wäre ein realer öffentlicher Raum überhaupt noch derselbe öffentliche Raum, wenn man ihn digitalisiert? Oder wäre es, wenn überhaupt, nicht ein völlig anderer öffentlicher Raum? […] ist ein abfotografierter öffentlicher Raum überhaupt noch ein öffentlicher Raum?

Neben all dem geifernden Verbalkrieg pro oder contra Street View (bei dem ich mich persönlich übrigens gern auf der pro-Seite beteilige), der letztlich zu nichts führt, weil der Drops schon gelutscht ist, sollten wir stattdessen darüber nachdenken, wie auf einer ganz allgemeinen Ebene mit solchen Dingen umgegangen werden sollte. Denn wenn wir das nicht tun, dann kommt bald Google oder sonst irgendjemand daher und überrascht uns mit einem neuen Geschenk, das unsere früheren Grenzen berührt/durchbricht und wir haben wieder keine Antworten, sondern rennen in alter Manier wie einander ankläffende Straßenköter hinter dem glitzernden Auto her ohne den Fahrer zu beeindrucken. Beim nächsten Mal ist es vielleicht noch deutlich weniger harmlos als jetzt.

Wir müssen uns also als Gesellschaft fragen, welche Art der Privatheit eigentlich noch haltbar sein wird.

Ich bin selbst eigentlich sehr vehement dafür, Regeln zu schaffen bzw. einzuhalten, die auf die Selbstbestimmung zielen, was meiner Privatsphäre entkommen darf und was nicht. Bei jeder einzelnen dieser Regeln muss aber gefragt werden, ob sie sinnvoll und durchsetzbar ist. Nein, ich meine nicht, dass man mal schön irgendwelche Konzerne Fakten schaffen lassen und diese dann als Sachzwang hinstellen sollte. Aber manche Veränderungen werden tatsächlich durch grundlegende Technologien und den Umgang mit ihnen hervorgerufen. Es gibt dabei sicher Dinge, die man eindämmen kann und eventuell auch sollte. Immer geht das jedoch nicht und manchmal ist das auch nicht wünschenswert, weil der Nutzen einer Veränderung für die Gesellschaft ungleich höher ist als ihr Schaden.

Was also ist privat und kann es auch noch sein? Die eigene Wohnung? Sicherlich. Gespräche von Angesicht zu Angesicht? Zumindest, wenn sich die Beteiligten vertrauen können, auch. Sicher verschlüsselte Kommunikation ist der Weg, Privatheit über das Netz zu gewähren. Aber dann wird es schon langsam eng. Oben hatte ich erwähnt, dass das Individuum auch bei uns ohne Internet leben könnte. Wenn es vollständige Hoheit über seine Daten haben möchte – abgesehen von denen, die der Staat erhebt –, muss es das zwangsläufig. Niemand, der das Netz als Teil seines Lebens begreift und nicht ausschließlich verschlüsselt darüber kommuniziert, kann diese Hoheit behalten. Angesichts der Scherze, die sich manche Service-Provider so leisten, angesichts der Tatsache, dass man über Personennetzwerke auch so einiges über Dritte herausfinden kann, ohne dass diese es selbst preisgeben, kann man sich sogar fragen, ob es überhaupt möglich ist.

Und dann der öffentliche Raum. Immer noch wird ununterbrochen sowohl von Menschen, die das Internet nur aus dem Fernsehen oder aus dem Mund ihres Sekretärs kennen, als auch von denen, die im Netz leben eine Trennung zwischen Real life und Digital life als gottgegeben propagiert. Sollten wir uns nicht mal überlegen, ob das eigentlich sinnvoll ist? Und wenn wir in uns gegangen sind und diese Frage trotz allem positiv beantworten, dann müssen wir uns sehr genau überlegen, worin die Trennung besteht. Damit ist selbstverständlich nicht die banale Tatsache gemeint, dass ich den Tisch anfassen kann, die Website aber nicht, sondern der gesellschaftlich relevante Unterschied. Der, aus dem heraus motiviert sich eventuell Gesetze ableiten lassen, die dieses anders bewerten als jenes.

Das Vorhandensein des Internets bringt zunächst mal eine wesentliche Veränderung auf dem alle weiteren aufbauen: es vereinfacht und beschleunigt den Transport von Daten auf vorher nicht vorstellbare Art und Weise. Diese Grundänderung in unserem Leben wird nie wieder verschwinden. Sie ist Teil unseres Lebens geworden und Bedingung des Funktionierens unserer heutigen und zukünftigen Gesellschaft.

Ich habe überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn Einzelne beschließen ihre Hausansicht bei Street View verpixeln zu lassen (solang es nicht mein Haus ist). Ich glaube aber, dass diese Idee völlig sinnlos ist. Zum einen ist die Fassade bereits bei irgendeinem anderen Dienst im Netz als Foto vorhanden. Selbst wenn sie das nicht wäre, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie das ist, weil das jeder tun könnte. Jedermann kann beliebige Häuser fotografieren, sie irgendwo ins Netz hochladen und die Adresse dran schreiben. Wenn argumentiert wird, das Recht eben das zu tun, sei ja auch nur ein Gesetz, das sich abschaffen oder ändern ließe, muss ich dem mit der Frage begegnen, wo das denn hinführen soll. Wird in Zukunft jedes Recht, das sich auf eine bestimmte Nutzung öffentlichen Raums bezieht, abgeschafft werden, weil es im Internet missbraucht werden kann? Abgesehen davon: Wenn die letzten Jahre eines gezeigt haben, dann doch wohl, dass Verbote solcher Art nicht durchgesetzt werden können. Oder habe ich was verpasst und es gibt keine illegalen Musik-Downloads mehr? Wenn eine genügend große Nutzermenge etwas als nützlich erachtet, wird es im Netz einen Weg zu existieren finden.

Damit sollen keineswegs alle Bedenken weggewischt werden. Ich plädiere eher dafür, darüber zu diskutieren, welche Folgen solche Dinge haben und wie wir damit umgehen wollen.

Andererseits finde ich es auch nicht sinnvoll, in Bezug auf Häuser-Verpixelung usw. von Diebstahl zu sprechen. Die Content-Industrie hat es geschafft, dass Diebstahl digitaler Güter so falsch klingt, so verlogen und so fehl am Platze, dass man, egal wie schlimm man das findet, andere Ausdrücke wählen muss. Es ist kein Diebstahl. Wir finden die Hütte nicht in Street View? Suchen wir halt woanders. Über kurz oder lang taucht sie irgendwo auf. Street View ist kein öffentlicher Raum, der uns allen gehört oder auf den wir angewiesen sind. Es ist ein witziges Tool, das in bestimmten Fällen auch nützlich sein wird (bei der Wohnungssuche z.B. las ich neulich), aber nicht mehr. Es ist kein Bahnhof, keine Telefonleitung und kein Park. Und am wichtigsten: es ist nicht unersetzlich.

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