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Fingerabdrücke zu verbergen

Weil das in meinem Bekanntenkreis auch bald wieder ansteht, habe ich mich nochmal ein bisschen in die Fingerabdruck-Problematik bei deutschen Reisepässen eingelesen.

Ich hatte in Erinnerung, dass es nicht verpflichtend sei, aber dabei ging es um den ePerso. Im Reisepass werden tatsächlich zwingend die Fingerabdrücke der beiden Zeigefinger elektronisch gespeichert. Über die Unverschämtheit eines solchen Zwangs will ich mich her gar nicht weiter auslassen. Zur angeblichen Erhöhung der Fälschungssicherheit empfehle ich dieses Video (9,8MB) vom CCC.

Jetzt kann es aber natürlich auch Bürger geben, die körperlich keine Möglichkeit haben, ihre Fingerabdrücke abzugeben. Etwa, weil ihnen die Hände oder die Finger(-kuppen) fehlen, oder weil sie sich ihre Finger durch Laborarbeit oder -unfälle verätzt haben. Für solche Fälle kann die zuständige Stelle amtlich vermerken, dass dies der Fall ist, und man bekommt seinen Pass trotzdem. Möglicherweise gäbe es auch schmerz- und gefahrlose Möglichkeiten, so eine Situation künstlich im richtigen Moment herbeizuführen.

Am meisten hat mich aber wieder der hörige Spießbürgerreflex aufgeregt, dem man selbst im Netz, in Foren usw. überall begegnen kann. Es sind immer die gleichen Sprüche: „Wer nichts zu verbergen hat, kann auch seine Fingerabdrücke abgeben.“ „Mann, was für ne Paranoia.“, „Wer keine Fingerabdrücke abgeben will, muss halt zuhause bleiben.“ usw. usf.

Ich gönne es doch jedem, für sich so eine Einstellung zu haben. Registriert euch überall! Gewährt jeder Behörde auf Zuruf Zugang zu euren Daten! Denkt nicht mehr nach, als ihr wollt! Es ist mir komplett egal. Aber zu einem freiheitlichen Land gehört es auch, Anderen, in dem Fall z.B. mir, eine andere Einstellung zu gestatten. Ich brauche mich nicht mal zu erklären. Wenn ich erkläre, warum ich solche Maßnahmen zum kotzen und beängstigend finde, dann tue ich das nicht um mich zu rechtfertigen, sondern um die Sicht des Anderen auf solche Dinge zu erweitern. Ich bin nicht in der Pflicht – ich darf nicht in der Pflicht sein – mir für das Wahrnehmen meiner Grundrechte Begründungen einfallen zu lassen.