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Alles Politische muss öffentlich sein

Heute morgen habe ich versucht bei mspr0 zu kommentieren, aber irgendwie scheint mich das Kommentarsystem nicht zu mögen, deshalb gibt's den Kommentar jetzt noch mal hier. Also los, erstmal zu Michael gehen und da lesen, dann zurückkommen und hier lesen.

Insbesondere den Gedanken von Antje bzw. Arendt, dass man unfertige (auch politische) Ideen lieber erstmal privat ausprobiert, finde ich sehr interessant in dem Zusammenhang. Ich zähle mich auch zu denen, die das so machen. Doch die Zeit dieses Luxus wird vorbei sein. Durch die Vermischung von privat und öffentlich (d.h. öffentliche Zugänglichkeit von ehemals Privatem) wird auch an der Stelle ein Umdenken stattfinden müssen. Allerdings meiner Meinung nach nicht im Sinne von – ich nenn es mal: pietätvollem Übersehen von Äußerungen Anderer, die augenscheinlich privat sind, sondern im Sinne der Anerkennung, dass all das zum Menschen dazu gehört, aber nicht alles (für jeden) gleich wichtig ist. Dabei ist besonders die Erkenntnis essentiell, dass Äußerungen oft erstmal als Provisorium gesehen werden müssen, als Teile eines Prozesses der Meinungsfindung z.B. (Das wirft allerdings neue Fragen auf wie: Wann kann ich eine Äußerung für voll nehmen? Muss man das dann immer dazu sagen? Entwickeln sich neue Zwischen-den-Zeilen-Techniken, die das übernehmen? Gibt es die schon?)

Wenn ein Politiker oder ein politisch tätiger Mensch sich fürchtet, er könne nicht mehr gefahrlos im Diskurs (mit engsten Freunden, Bekannten, Kollegen, der Öffentlichkeit) seine Ansichten zu Themen entwickeln, weil er nicht sicher sein kann, dass dieser Entwicklungsprozess anonymisiert – oder privat – genug abläuft, dann hat er schlechterdings ein falsches Bild von der Welt, in der wir leben oder zumindest sehr sehr bald leben werden. Er muss erkennen, dass nahezu all seine Kommunikation, seine politische im Besonderen, immer öffentlich ist. Sein muss. Er muss auch erkennen, dass es egal ist, wie unausgereift die Ideen sind, mit denen er sich umtreibt, weil das jedem so geht und ein ganz normaler Prozess ist, dessen einzige Neuerung ist, dass er nun von jedem registriert werden kann. Er muss erkennen, dass diese Ideen im Vergleich zu früher mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit reifen bzw. verworfen werden, gerade weil sie instantan öffentlich sind und daher viel mehr Menschen erreichen. Und er muss – ebenso wie die Gesellschaft; sie wird es, da bin ich sicher – lernen, dass nur weil etwas schon öffentlich gemacht ist, es kein fertiges, reifes Produkt sein muss (siehe auch Journalismus übrigens).

Ich bin also letztlich ebenso wie Kris und Frank der Ansicht, dass es hier nicht um eine Frage geht, die ergebnisoffen diskutiert werden müsste, sondern höchstens den Beteiligten klargemacht werden muss. Endlich, endlich! gibt es das Private im Politischen nicht mehr. Das Politische, alles politische muss öffentlich sein. Wer nicht mit seinen Äußerungen öffentlich sein will, darf und kann nicht politisch sein. Es hätte immer schon so sein sollen und jetzt stehen wir kurz davor, dass es Realität wird. Es ist wirklich schade und und absolut nicht nachzuvollziehen, dass es gerade bei den Piraten in dieser Hinsicht Widerstand gibt.