kritikant

laut nachgedacht

Zum Zubehör springen

Neubürger im Smartphoniversum

Seit Monaten habe ich darauf hingefiebert und nun ist es soweit. Seit gestern bin ich stolzer Besitzer eines Samsung Galaxy S i9000. Mein erstes Smartphone überhaupt. Mein letztes Handy – ein Nokia N78, das ich auch sehr angenehm fand für das, was ich damals bezahlen wollte – habe ich vor ziemlich genau zwei Jahren gekauft. Seitdem bin ich außerdem Kunde bei Maxxim, weil mir die ganze Grundgebühr-/Mindestverbrauchsscheiße bei den üblich 24-Monats-Verträgen auf den Sack ging und ich nur noch das Gefühl hatte, abgezockt zu werden. Bei Maxxim (wie auch vermutlich bei diversen anderen Anbietern, die ein ähnliches Konzept fahren) habe ich die Bequemlichkeit der automatischen Abbuchung aber ohne die eben erwähnten Downsides. Damals habe ich ausgerechnet, was ich bei gleichbleibendem Handy-Verhalten über zwei Jahre spare im Vergleich zu meinem vorherigen Anbieter und habe die Differenz (sogar etwas weniger) in das N78 investiert. Als Selbsterziehungsmaßnahme musste ich das natürlich dann auch die zwei Jahre nutzen, obwohl ich mir schon letztes Frühjahr gern ein Smartphone gekauft hätte. Tapfer habe ich durchgehalten, um nun ein bisschen Erspartes und mein gesamtes Weihnachtsgeld in das neue Gerät zu stecken.

Ach, und es ist ein Traum! Ich muss mich bis zum Ende des Monats aber noch ein bisschen in der Nutzung einschränken, weil mein Datentarif, den ich ebenfalls jetzt bei Maxxim gebucht habe, erst ab Februar läuft. Daher bezahle ich momentan noch pro 100 kB wie die letzten Monate, was bei so einem vollwertigen Internet in der Hosentasche natürlich ziemlich lästig ist.

Ich bin jetzt jedenfalls in der Lernphase. Das Ding erfordert ja ein ganz neues Konzept von Handy-Benutzung. Mein erster Touchscreen, Apps, 10000 seltsame Einstellungen, Die Kamera schaltet das GPS ein und so Scherze … ach ja, telefonieren geht auch. Ich bin sicher, irgendwann demnächst werde ich auch mal anfangen mich mit dieser Swype-Texteingabe auseinander zu setzen. Aber erstmal ist alles awe and wonder.

Flattr this

Mein erster selbstgemachter Tofu

Ich hatte mir schon länger vorgenommen, einmal selbst Tofu, bzw. Sojaquark herzustellen. Mein erster Versuch ist zwar geglückt, aber mit der Restwassermenge muss ich noch experimentieren.

Das Rezept habe ich von hier. Meine Zutaten waren:

  • Die restliche Sojamilch (ca. 500 ml). Wir haben immer die vom Aldi; irgendwo hab ich gelesen, dass die ziemlich gut getestet wurde, besser als die meisten teureren.
  • Zwei Esslöffel frisch gepressten Zitronensaft
Beides im Topf heiß gemacht und beim Gerinnen zugesehen. Ungefähr eine Viertelstunde Scrubs später hab ich alles in ein sauberes Küchenhandtuch geschüttet, mit dem ich ein Nudelsieb ausgelegt hatte. Es sah so aus, als würde nach wenigen Sekunden so gut wie gar nichts mehr ablaufen, also hab ich das Tuch einfach zugedreht und das Wasser rausgepresst. Meine Hände sind jetzt auch ziemlich rot von dem heißen Wasser. Beim nächsten Mal warte ich einfach noch was länger.

Naja, das Ergebnis ist jedenfalls ein halbfester Tofu, noch nicht schnittfest, aber auch nicht mehr wie Quark. Also wird der nächste Versuch weniger gepresst, oder mit ner Form und/oder besserer Technik noch mehr. Ich finde es jedenfalls prima und werde weiter mit Milchproduktersatzprodukten experimentieren.

Flattr this

Der Wahnsinn hat (/ist die) Methode

Ich habe vorhin bei Fefe einen Hinweis auf einen Artikel im New Yorker gefunden, den ich wirklich ausnehmend faszinierend fand. The Decline Effect And The Scientific Method. Obwohl ich ebenso wie Fefe empfehle, den gesamten gut geschriebenen Artikel selbst zu lesen, fasse ich die Eckpunkte in übersetzter Form hier mal etwas zusammen:


Das Thema ist der Zweifel an einem Grundbaustein der wissenschaftlichen Methode: der Replizierbarkeit von experimentellen Ergebnissen. In verschiedenen wissenschaftlichen Feldern – hier: Evolutionsbiologie, Psychologie, Medizin … – wird immer wieder beobachtet, dass anfänglich in Experimenten deutlich zu Tage tretende Effekte später zwar immer noch nachweisbar sind, aber ihre Signifikanz und Häufigkeit deutlich abnehmen. Sowohl, wenn das zu Grunde liegende Paradigma in verschiedenen Settings abgefragt wird (etwa die bei Weibchen unterschiedlichster Arten auftretende Attraktion zu symmetrisch geformten Männchen), als auch bei der Replikation des ursprünglichen Experiments. Sowohl durch den gleichen Wissenschaftler, als auch durch unabhängige Forscher. Für das, was wie der Anlass zu einem Vertrauensverlust in die grundsätzlichen Methoden der wissenschaftlichen Verifikation aussieht, werden verschiedene Erklärungen gesucht.

  1. Die naheliegende Idee, dass durch Wiederholung anfängliche statistische Ausreißer ausgeglichen werden, greift zu kurz. Die ursprünglichen Datensätze sind so groß, dass selbst wenn Regression zur Mitte greifen würde, deren Effekt nicht so heftig sein und so oft auftreten dürfte.
  2. Ein anderer Vorschlag ist das Problem der Veröffentlichung. Wenn ein vermeintlich aufregendes, neues wissenschaftliches Faktum auf den Plan getreten und veröffentlicht worden ist, ist es zunächst relativ schwierig, Paper durch den Review-Prozess zu bekommen, die das gehypte Neue wiederlegen oder auch nur einschränken würden. Wissenschaftliche Zeitschriften bevorzugen positive, bestätigende Resultate. Erst wenn eine gewisse Zeit vergangen und das ehedem neue Paradigma common sense geworden ist, wird es auch für die Zeitschriften wieder interessant, widerlegende Resultate zu bringen, die nun ihrerseits aufregend und neu sind. Doch obwohl dies durchaus eine Rolle spielt, reicht es als alleinige Erklärung nicht aus. Zum Beispiel wenn es um unveröffentlichte Daten geht, die ebenso den decline effect zeigen.
  3. Schließlich wird diskutiert, inwiefern die Vorauswahl der Daten, die Wissenschaftler überhaupt zur Veröffentlichung bringen möchten, voreingenommen und auf ein bestimmtes Ziel hin gerichtet ist. Es zeigt sich, dass dies anscheinend weit verbreitet ist. Das bedeutet nicht, dass es um absichtlichen Betrug geht. Es ist eher ein unbewusstes Verhalten, das veranlasst, dass insbesondere bei sehr empfindlichen Experimenten bzw. sich nur sehr graduell unterscheidenden Meßergebnissen Daten so aufgefasst werden, dass sie einem vorhergehenden Glauben oder einer Erwartung entsprechen. Ein großes Problem diesbezüglich ist vermutlich die Signifikanz-Jagd. Die Daten werden so interpretiert, dass sie einen bedeutenden Fund darstellen. Außerdem beeinflusst die Hoffnung auf Erfolg, auf einen Karriereschub o.ä. unbewusst die Haltung zu den gemessenen Daten. That’s just the way human beings work. Ein Lösungsansatz abgesehen von dem kollektiven Bewusstmachen dieser Effekte ist der Vorschlag für eine Open-Source-Datenbank, in die Wissenschaftler im Voraus ihre geplanten Untersuchungen und im Nachhinein ungefiltert all ihre Ergebnisse einspeisen sollen.
  4. Doch eines bleibt: Der reine Zufall. Egal wie viele Variablen man bei einem Experiment unter Kontrolle bringt, es gibt immer ein Element des Zufalls, das nicht ausgeschlossen werden kann. Wenn durch solch einen Zufall Außerordentliches gefunden wird, greifen die vorhergenannten Probleme zusätzlich und verstärken das Ganze.
  5. Zu guter Letzt muss uns klar werden, dass Experimente nicht per se die Wahrheit zeigen, genauso wenig, wie jede Wahrheit durch Experimente belegt werden kann.


    So, und nach dieser Zusammenfassung möchte ich gern wissen, ob ich damit gegen irgendwelche Immaterialgüterrechte verstoßen habe. Da kann ich wahrscheinlich nur froh sein, dass der Text vermutlich nie von einem der Betreffenden gelesen wird. :)

    Den Vorschlag von Jonathan Schooler die Datenbank betreffend finde ich übrigens wirklich hervorragend. Leider schätze ich den Willen innerhalb des Wissenschaftsbetriebes für so etwas erfahrungsgemäß als eher gering ein. Darüber hinaus wird wieder einmal klar, wie sehr der ganze Prozess der Veröffentlichungen in möglichst renommierten Zeitschriften mit allem, was in puncto Pre-Review usw. da dran hängt, eine einzige Katastrophe ist.

Gute Vorsätze

Eigentlich bin ich ja nicht so der Vertreter von guten Vorsätzen. Wenn man was ändern will, sollte man’s einfach machen und das nicht an einen Jahreswechsel binden. Trotzdem kann auch ich nicht ganz umhin, an Silvester reflektierenderweise zu überlegen, ob ich mir für das nächste Jahr etwas vornehmen will.

Das nächste Jahr wird für mich ein sehr aufregendes, besonderes Jahr und zwar aus zwei Hauptgründen:

  1. Ich werde heiraten. Und zwar das wundervollste Wesen der Welt, was mich so ungefähr zum glücklichsten Wesen der Welt macht.
  2. Ich werde *klopfaufholz* mein Studium abschließen. Heute ist der Brief vom Prüfungsamt gekommen, der meine Anmeldung zur Prüfung offziell bestätigt, ich komme also nicht mehr aus der Sache raus. Das ist wohl auch ganz gut so, denn ohne Druck kann ich nicht arbeiten.

Diese beiden Hauptsachen werden mich in den nächsten sechs Monaten vermutlich vollständig auslasten. Deshalb ist der erste und wichtigste Vorsatz: Ich möchte trotz allen Stresses weiterhin für meine Freunde und meine Liebste da sein und Zeit mit ihnen verbringen und mich nicht von dem auffressen lassen, was ich sonst so zu stemmen habe.

Etwas anderes, das mir wichtig ist: Ich werde meinen Konsum von Tierprodukten weiterhin einschränken. Seit fast einem Jahr esse ich kein Fleisch mehr (und ja, ihr Pseudo-„Vegetarier“, das bedeutet: kein Wild, kein Rind, kein Schwein, kein Geflügel, kein Fisch, keine Meeresfrüchte und auch keine anderen Tiere. Kein. Fleisch.) und seit einigen Wochen haben wir auch begonnen, unseren eh schon relativ niedrigen Konsum von Milch, Eiern usw. weiter entspannt Richtung Null zu fahren. Das finde ich ziemlich gut, kann damit hervorragend leben und mich ernähren und sehr köstliche Sachen essen.

Der dritte Vorsatz: Ich werde mehr bloggen. Ich hoffe, dass auch mein neues Telefon dazu beitragen wird, aber ich muss mir die Zeit einfach nehmen, weil es mir wirklich Spaß macht und man mit niemandem so gut in der Debatte seine Argumente schärfen kann, wie mit einem Fremden (in der Kommentarspalte).

Flattr this