kritikant

laut nachgedacht

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Android Kalender Bug

Als ich eben zum ersten Mal seit Monaten die Weboberfläche meines Google-Kalenders geöffnet habe, fiel mir auf, dass ich gestern einen Geburtstag vergessen habe. Flugs ein Blick auf den Kalender des Galaxy S und siehe da: der Geburtstag steht nicht drin. Weitere Geburtstage (= ganztägige Termine) gecheckt und ein Muster entdeckt. Der Kalender im Handy zeigt sie konsequent nicht an. Das läuft dem Zweck eines Kalenders und darin eingetragener Termine irgendwie zuwider.

Eine kurze Googleei ergab das hier. Man muss den Speicher des Kalenders im Telefon manuell leeren und neu synchronisieren lassen, dann erscheinen auch wieder alle Termine. (Der Klickweg: Menü → Einstellungen → Anwendungen → Anwendungen verwalten → Alle → Kalenderspeicher → Daten löschen)

Extrem doofe Sache, das. Das bedeutet nämlich, dass ich in Zukunft einmal die Woche den Webkalender öffnen muss, um sicher zu gehen, dass sich das blöde Telefon nicht schon wieder verschluckt hat.

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4Twitter

Bei den Sozialtheoristen spricht Stefan Schulz von Twitter als sicherem Ort. Letztlich geht es um Kommunikation ohne Adressaten und Ordnung derselben durch Hashtags. Aber im vorletzten Absatz skizziert Stefan ein konstruktives 4Chan, das neben dem Adressaten auch den Autor ignoriert. Ich finde die Idee großartig! Das müsste mal jemand™ bauen. Mir schwebt das so ungefähr folgendermaßen vor.

Die Nachrichten/Beiträge, die von Nutzern gesendet werden, enthalten als Metainformationen nur das Datum und eine möglicherweise vorhandene Referenz auf eine andere Nachricht, falls der Autor zum Verfassen auf "Antworten" bei dieser Nachricht geklickt hat (so, wie man bei Twitter auch in einzelnen Tweets auf Antworten klickt, um @replies zu verfassen). Durch diese Funktion lassen sich direkte Gespräche innerhalb des Stroms ansatzweise nachvollziehen.

Es gibt also keinen Hinweis darauf, wer einen Beitrag verfasst hat (wie bei 4Chan). Das Resultat ist ein für jeden Benutzer gleichartig sichtbarer, öffentlicher Strom aus Beiträgen. Da das nicht besonders praktisch ist, um einen Sinn zu erfassen oder sich auch nur auf ein bestimmtes besprochenes Thema zu konzentrieren, gibt es Hashtags, die die gleiche Funktion wie bei Twitter haben. Nur, dass jedem Beitrag ein Hashtag zugewiesen wird. Die Nutzer werden durch das System gezwungen, jeder ihrer Nachrichten vor dem Absenden ein Tag zuzuweisen. Dabei kann man sowohl beliebige eigene und/oder neue eingeben, als auch aus bereits innerhalb des Systems verwendeten auswählen (was praktisch ist, um seinen Beitrag in ein bestehendes Thema zu integrieren).

Um dem Strom Herr zu werden, abonniert man. Nicht Nutzer, sondern Hashtags. Der im eigenen Account angezeigte Strom besteht so nur noch aus Beiträgen, die mit Tags versehen sind, die man abonniert hat. Ich könnte zum Beispiel #wortspiel, #politik, #linux und #urlaub abonnieren und bekäme ausschließlich Beiträge zu sehen, die mit einem oder mehreren dieser Begriffe getaggt sind. Über eine API könnten externe Anwendungen natürlich auch für jedes Tag einen eigenen Strom darstellen oder jeweils nur Subsets von abonnierten Tags. Um den Problemen des thematischen Unterwanderns (siehe unten: Welche Eigenschaften hätte dieser Dienst) zu begegnen, könnte man auch implementieren, dass man gezielt Tag-Kombinationen abonnieren kann. Also nicht alles, was #politik oder #linux enthält, sondern #politik und #linux.

Um ein neues Hashtag zu etablieren, d.h. für andere sichtbar zu machen, müsste neben dem neuen schon mindestens ein bekanntes zusätzlich in die Nachricht integriert werden. Wenn also z.B. das Tag #piraten schon bekannt ist und der erste etwas zum Bundesparteitag der Piraten im Jahr 2012 schreiben will, sollte er den Beitrag mit #bpt12 und zusätzlich mit #piraten taggen. (In dem Fall wäre das möglicherweise auch durchgehend sinnvoll, weil ja vermutlich auch andere Parteien über ihren BPT schreiben.) Wenn dann eine Weile beide Tags parallel gelaufen sind, kann irgendwann (eventuell) das ältere weggelassen werden, weil vermutlich in der Zwischenzeit andere Nutzer das neue Hashtag abonniert haben.

Ich habe darüber nachgedacht, ob man auch die Tags als Metadaten mitschickt anstatt im Messagebody, aber das würde dazu führen, dass die Nutzer viel zu viele Tags gleichzeitig benutzen. Es soll aber gerade darauf ankommen, die Beiträge thematisch möglichst präzise und eng einzuordnen.

Weil aber trotzdem oft mehr als ein Tag pro Beitrag gebraucht wird (z.B. um ein neues bekannt zu machen), sind 160 Zeichen vermutlich zu wenig. Zu lang sollte es aber auch nicht werden, weil Verknappung wie bei Twitter zu Prägnanz führen kann. Vielleicht also 200 Zeichen oder 220. Das sollte genügen.

Auf der Weboberfläche (und auch per API zugänglich) können die aktuell meistbenutzten Tags aufgeführt werden oder auch sowas wie ähnliche Tags zu denen, die man schon abonniert hat (das würde aber womöglich semantische Analysen erfordern).

Hm, Nutzer. Wer oder was ist der Nutzer. Muss man sich überhaupt anmelden? Von der Systemlogik her nicht. Wenn man die Anwendung per Weboberfläche und nicht per externes Programm benutzen will, bräuchte es zumindest Cookies, die sich die Abos merken. Das funktioniert dann aber nicht über mehrere Geräte hinweg. Daher könnte es zum Zweck der Bequemlichkeit schon interessant sein, einen Account zu haben.

Beiträge schreiben kann man aber auf jeden Fall auch ohne. Das bedeutet vor allem, dass jegliche Einstiegshürde zum Beitragen wegfällt. Man kann einfach die URL aufrufen, sieht z.B. den allgemeinen Strom und beliebte Tags und ein Eingabefeld, in das man eintippen kann, was einem gerade einfällt.

Welche Eigenschaften hätte ein in dieser Weise aufgebauter Dienst?

  • Gerichtete Kommunikation (im Sinne von: auf Personen gerichtet) wird vollständig unterbunden und durch eine rein thematische ersetzt.
  • Es lassen sich nicht wie bei Twitter Nutzer und damit Beiträge ausblenden, jedenfalls, wenn sie mit einem Hashtag versehen sind, dass man abonniert hat.
  • Trollerei wäre an der Tagesordnung (4Chan).
  • Ob das Ganze für Werbung ausgenutzt/missbraucht werden würde, kann ich nicht abschätzen. Aufgrund des anonymen und damit vermutlich 4channigen Kommunikationsverhaltens der Nutzer wäre die Attraktivität für Werbende, dort aufzutauchen und mitzumachen, vielleicht nicht besonders hoch. Andererseits … naja.
  • Durch das Modell des thematischen Abonnierens lässt sich ein Strom von Beiträgen generieren, der, obwohl er leicht zu unterwandern ist, indem man einfach thematische unpassende Tags wählt, wahrscheinlich vorrangig Inhalte zeigt, die den Abonnenten interessieren. Insbesondere, wenn man Tag-Kombinationen abonniert.

Ich finde das Modell jedenfalls interessant und würde es ausprobieren und mitmachen, wenn es sowas gäbe. Die Kommunikation, die sich dabei herausbildet, wäre bestimmt spannend.

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Die grauen Herren

Zeit. Ich habe keine. Allerdings bin ich doch eigentlich selbst der Meinung, dass diese Aussage praktisch immer Unsinn ist. Vielleicht – wahrscheinlich – gilt das auch für mich. Trotzdem habe ich gerade das Gefühl kaum atmen zu können vor lauter Dingen, um die ich mich kümmern muss, so dass ich meine Freizeit auch für nix anderes mehr nutzen will, als zum rumliegen und höchstens noch berieseln lassen.

Ich habe noch knapp 4 Wochen bis meine Abschlussprüfungen losgehen. Drei bekackte mündliche Prüfungen noch und dann bin ich raus. Unfassbar. Aber leider auch ein bisschen anstrengend. Besonders toll ist in solchen Zeiten ein Motivationstief. Dazu kommen noch die nicht ganz unwesentlichen Hochzeitsvorbereitungen. Ich würde am liebsten alles so lassen, wie es jetzt ist, Trauung und Urlaub sind ja gebucht, und den Rest nur noch auf mich zukommen lassen. Aber natürlich möchte ich noch ein bisschen mehr, dass es wirklich ne super Party wird und noch sehr viel mehr möchte ich, dass meine Zukünftige nicht dem Wahnsinn anheim fällt, was nicht unwahrscheinlich ist, wenn ich mich um nichts mehr kümmern würde. :)

Ganz nebenbei organisiere ich seit 8 Wochen einen regelmäßigen Videoabend, der auch so seine (Vor- und Nachbereitungs-)Zeit kostet. Ich hoffe jetzt einfach mal, dass ich dieses Blog zukünftig wieder etwas mehr mit Zeug füllen kann. Vor allen Dingen mit Zeug, das mehr Substanz hat als Ich hab grad eigentlich keine Zeit zum Bloggen. In Vorbereitung sind einige Texte jedenfalls schon.

Gelesen: Inseln im Netz – Bruce Sterling

Ich habe mir kürzlich Inseln im Netz von Bruce Sterling gekauft. Irgendwo im Netz hat das irgendwer empfohlen oder sich darauf bezogen oder es nur erwähnt – kurz: ich weiß es nicht mehr. Offensichtlich hat es mich aber genug beeindruckt, mir das Buch bei Amazon gebraucht zu bestellen (neu gab’s nicht). Ich kaufe so gut wie niemals gebrauchte Bücher, ich will sie oft genug nicht mal geschenkt haben; bin da irgendwie eigen, umso erstaunlicher, dass ich es haben wollte.

Aber zurück zum Roman. Ende der 80er Jahre erstveröffentlicht beschreibt er eine nahe Zukunft (um 2030), in der Nationalstaaten ihre Bedeutung nahezu verloren haben und (Welt-)politik zunehmend von global oder zumindest multinational agierenden Unternehmen gemacht wird. Die Protagonistin Laura Webster gehört zu einer dieser Firmen (Rizome) und betreibt in deren Auftrag mit ihrem Mann ein Ferienheim. Nachdem dort ein tödlicher Anschlag auf einen Angehörigen einer fremden Delegation verübt wurde, fühlt sie sich verpflichtet, als Unterhändlerin für Rizome und als Zeugin mitsamt Mann und Säugling in das Herkunftsland des Toten zu reisen, um bei der Aufklärung und der Deeskalation Hilfe zu leisten. In der Folge entwickelt sich eine Geschichte über weltweite Verschwörungen, Datenpiraten und Geheimarmeen.

Lesen wollte ich das Buch wegen der Aktualität einer nationalstaatlich verankerten Politik, die langsam immer mehr ihrer Einflussmöglichkeiten an globale Konzerne abgibt und von diesen immer wieder vor vollendete Tatsachen gestellt wird. In der Tat ist dieses Szenario glaubwürdig und relativ detailliert ausgeführt. Rizome ist selbst ein demokratisches Gebilde, das eine gewählte Regierung, Diplomaten und Ähnliches besitzt. Durch das Netz haben die Teilnehmer oder Teilhaber ständigen Zugriff auf Informationen, Nachrichten, Gesprächspartner. Auf der anderen Seite gibt es jedoch eine Reihe Akteure, die solche Ideologien nicht mittragen wollen, sondern sich vornehmlich auf die Datenpiraterie zurückziehen. Daten sind wertvoll, sie können gestohlen und verkauft werden. Sie können auch direkt zum eigenen Vorteil genutzt werden, dabei ist es natürlich schlau, selbst keine zur Verfügung zu stellen. Die regelkonforme Eingliederung in das Netz verweigern sie deshalb.

Die Geschichte, nein, das Szenario regt zum Nachdenken an und fasziniert wegen seiner einigermaßen prophetischen Eigenschaften (wir erinnern uns: es wurde einige Jahre vor dem WWW geschrieben, vor Google, vor Facebook). Die Lektüre gibt neben der Idee von Konzernen, die mächtiger sind als Staaten, und deren Implikationen noch mehr Anlässe zum Nachdenken. Über eine mögliche Blauäugikeit von pazifistischen Demokraten etwa, die sich nicht vorstellen können, wie jemand bei Überlegungen über Moral, Politik, Recht usw. zu einem anderen Ergebnis kommen könnte, als sie selbst. Ebenso über scheinheilige West-Ideologen, die ihre Werte mit Feuer und Schwert verbreiten wollen. Über die Gefahr von Söldnerheeren für allein gelassene und wehrlose Völker und Staaten. Über den Sinn von Entwicklungshilfe. Über Afrika.

Und trotzdem! Trotzdem weiß ich nicht, ob Inseln im Netz ein gutes Buch ist. Die Charaktere sind, wenn auch im Ganzen relativ simpel, immerhin glaubwürdig motiviert. Aber die Geschichte wirkt zu zerfasert, es gibt zu viele lose Enden bzw. man ist sich nicht sicher, ob zu viel angefangen und nicht ausgeführt wurde, oder ob alles nur Staffage ist, die keine Substanz bietet. Oft genug fehlt dem Leser Wissen über diese dystopische Welt, das ihm weder angeboten wird, noch selbstständig von ihm ergänzt werden kann. Hin und wieder soll es vielleicht geheimnisvoll wirken, doch hinter den Lücken scheint kein Geheimnis durch, sondern Leere. Am Ende hätte ich mir eher ein Buch gewünscht, das entweder den (zweifellos spannenden!) Hintergrund vollständiger erklärt, zeigt und ausbreitet oder eine elaboriertere Story. Hier scheint aber jeweils das eine vom anderen überschattet und beiseite geschoben zu werden.

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chaosradio.ccc.de nicht erreichbar (für mich)

Hm. Anscheinend bin ich nicht der einzige, dem es so geht. Jetzt sitze ich aber gerade nicht in einem Arcor- oder Alice/HH-Netz, sondern im Netz der Firma, in der ich arbeite (die sind ihr eigener ISP). Doch wenn ich NSFW hören oder auch die chaosradio-Seite öffnen will sagen die Browser lapidar: Der Server unter chaosradio.ccc.de konnte nicht gefunden werden.

Analyse bisher: Tims Link sagt, It's just you. http://chaosradio.ccc.de is up. Über das Tor-Netzwerk lässt sich die Seite problemlos aufrufen, aber zum Podcast-runterladen ist das irgendwie nicht so optimal. tools.whois.net/dig/ gab beim ersten Aufruf die IP 82.94.215.227 zurück. Dann ein paar Mal keine Antwort, dann wieder die gleiche IP. Ping an den Hostnamen sagt nur unknown host, ping an die IP funktioniert tadellos. wget <IP> endet mit:

Verbindungsaufbau zu 82.94.215.227:80... verbunden.
HTTP-Anforderung gesendet, warte auf Antwort... 301 Moved Permanently
Platz: http://chaosradio.ccc.de/ [folge]
--2011-03-30 02:03:46--  http://chaosradio.ccc.de/
Auflösen des Hostnamen chaosradio.ccc.de... fehlgeschlagen: Der Name oder der Dienst ist nicht bekannt.
wget: kann die Host-Adresse »chaosradio.ccc.de« nicht auflösen
Ich hab keine Ahnung, wo oder was der Wurm ist, aber er ist irgendwo da drin. Vielleicht hat ja jemand ne Idee?

Update: Ha! Kaum blogge ich’s, schon funktioniert der Mist. Trotzdem würde mich ja mal interessieren, was da schief läuft/lief.

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