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Die Liste II

Heute gibt es die erste reguläre Ausgabe der lesenswerten Links auf diesem Blog:

→ Rückt die FAZ nach links? Oder gibt das Feuilleton nur den Klassen-Clown? (Wolfgang Michal)
Ein Text, der spannende Fragen stellt, die sich wohl mittlerweile einige aufmerksame Leser stellen. Daneben auch eine schöne Zusammenfassung der letzten FAZ-Feuilleton-Monate.
→ Rahmstorf im Zerrspiegel (RELATIV EINFACH)
Markus Pössel zeigt an einem konkreten Beispiel, wie Stimmungs- und Meinungsmache anhand von Sprache funktioniert.
→ Der kommende Aufruhr (Naomi Wolf in der Freitag)
Ein Blick auf die amerikanische Occupy-Bewegung als erste Schlacht in einer Art kommendem Bürgerkrieg.
→ Von Technokraten, Ideologen und Dummen (das Dossier); habe ich übrigens durch den Spiegelfechter entdeckt und es scheint regelmäßige Lektüre zu lohnen)
Axel Weipert sagt zu Recht:
Technokraten gibt es überall. Und jedesmal gilt dabei: Was sich so neutral und seriös gibt, sollte ganz besonders kritisch unter die Lupe genommen werden. Pragmatismus ist auch eine Form von Ideologie.
→ Der Fefe der Woche
Die US-Army erfindet das Sandwich, das zwei Jahre frisch bleibt!

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Die Liste I

jetzt. In der letzten Woche fand ich das hier besonders lesenswert:

→ Face detection – jQuery Plugin
Da hat jemand einen Gesichtserkennungsalgorithmus für JavaScript/jQuery verfügbar gemacht. Sehr geil.
→ Forschungszentrum Jülich will seinen Atommüll in Ahaus lagern
Hm, waren das nicht auch die Jülicher, denen plötzlich irgendwie alte Brennelemente abhanden gekommen waren? Dann kann man wenigstens in Zukunft sagen „Die sind bestimmt mit der letzten Lieferung rausgegangen!!1elf!“
→ Nicht zurechenbar
Hans Hütt findet, dass ein Herausstellen des Andersseins von Anders Breivik verschleiert, dass er einer von uns ist. Wir sind die Bestie, sag ich ja auch immer.
→ Daylight Saving Time Explained
Sehr nett gemachtes Video über den Wahnsinn und die Überholtheit der halbjährlichen Zeitumstellung.
→ BGE und die Postgerechtigkeit
mspr0 schreibt sehr treffend über ein fatales Gerechtigkeitsempfinden in unserer Gesellschaft, das dem von den Piraten beschlossenen Bedingungslosen Grundeinkommen entgegensteht.
→ Ich bin Alltagssexist .... aber ich arbeite daran!
Lesenswertes Bekenntnis eines Sexisten. Nein, zwei, ach ganz viele.
→ Der Fefe der Woche
Der letzte Link in dieser Liste wird immer eine völlig absurde Geschichte sein, die Fefe ausgräbt. Diesmal: Richtlinien für britische Atom-U-Boote.

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Evernote, Android und ein Plan

Dort hatte ich mich ja auf die Suche nach einem probaten Werkzeug begeben, mit dem ich alles archivieren kann, was ich im Netz so an Texten lese. Ausgelagertes Gedächtnis, wissenschon. Ich habe Diigo nicht ausprobiert, sondern bin stattdessen wie so viele andere bei Evernote gelandet.

Vorteile von Evernote: Es ist auf allen Plattformen verfügbar; ich kann dort Volltexte inklusive Links speichern und zwar in einer Menge, an die ich bisher nicht rankomme; ich kann taggen (hach, das readlater-Tag, Geißel und Verheißung der Menschheit!); es gibt Bookmarklets, Browserextensions und es integriert sich in die Share-Funktion von Android. Hervorragend!

Apropos Android, da sind wir ja schon beim größten Problem. Warum, for god’s FUCKING sake, wird mit der Sharing-Funktion nur die URL übertragen?! Warum kann das nicht genauso funktionieren wie zum Beispiel im Google Reader, wo ich auf „Senden an -> Evernote“ klicke und dann wird das Verschickte nicht aus dem Reader an Evernote übertragen, sondern Evernote erhält einen Verweis auf die URL des Originaltexts (nicht des Feeditems) und holt sich den Text dann von dort? Wie schwierig kann das denn zu implementieren sein? So muss ich jetzt ständig Zeit darauf verwenden, wenn ich an einem richtigen™ Rechner sitze, meine nur aus URLs bestehenden Notizen einzeln aufzurufen und per Copy & Paste die Texte von Hand in Evernote zu kopieren. Es ist zum Haareausraufen!

Trotzdem ist es schon mal besser als vorher und ich habe jetzt seit Mitte Oktober knapp 400 Texte gesammelt, auf deren Inhalt ich zentral zugreifen kann. Das ist ganz komfortabel. Ich muss auch sagen, dass ich eine ganz passable Disziplin an den Tag lege und fast nie vergesse, etwas nach Evernote zu schieben, das ich gelesen habe. Manche Dinge pflege ich extra nicht ein, zum Beispiel das Meiste aus Fefes Blog. Das ist mir zu viel, die Beiträge sind meistens sehr kurz und bestehen im Wesentlichen aus kommentierten Links. Entweder die Texte hinter den Links fliegen nach Evernote oder es ist den Aufwand nicht wert. Ich archiviere ja auch nicht alle Webcomics, die ich zur Unterhaltung lese. Ebenso andere Beiträge, die bessere Linklisten sind oder kurze Hinweise oder Texte, die ich zwar überfliege, aber dann nicht interessant genug finde. Falls ich da doch mal was suchen sollte, weiß ich, dass praktisch alles davon im Reader ist, den ich ja auch durchsuchen kann.

So, und jetzt habe ich mir überlegt, dass ich versuche eine wöchentliche kleine Linkliste hier im Blog zu posten, auf der die empfehlenswertesten Texte der vergangenen Woche stehen. Da ja die Empfehlungen aus dem Reader wegfallen und ich nicht immer alles zu Twitter schieben kann oder will, ist das ne ganz gute Sache. Außerdem habe ich mir sagen lassen, dass das ja im Grunde der Beginn der Blogs überhaupt war: Weblogs eben, Listen mit tollen Sachen, die man so im Web gefunden hat. Die hat man dann oft noch kommentiert, warum die toll sind und was sich dahinter verbirgt, und das werde ich auch tun. Gucken wir mal, wie gut und regelmäßig das klappt. Eigentlich möchte ich das immer Mittwochs tun (weil ich da grundsätzlich ein großes Zeitfenster habe, in das das passen würde) aber die Premiere werde ich wohl heute starten. Genaugenommen …

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.htaccess-Spielereien

Mit .htaccess-Dateien kann man den Zugang zu den einzelnen Dateien oder Dokumenten auf seinem (Apache-)Webserver sehr bequem regeln. Es lassen sich zum Beispiel einzelne Verzeichnisse nur für Nutzer mit einer bestimmten IP freigeben. Oder man kann Passwörter für den Zugang vergeben. Vor ein paar Tagen habe ich herausgefunden, dass man mit ihnen auch wunderbar beliebige andere Servervariablen abfragen kann.

Mit dem Modul mod_setenvif nämlich lassen sich mit Hilfe der zwei Direktiven BrowserMatch und SetEnvIf (und deren Varianten, denen Groß- und Kleinschreibung egal ist) Umgebungsvariablen abfragen und davon abhängig den Zugang zu Ressourcen regeln.

Ich habe das benutzt, um folgendes zu tun. Ein PHP-Dokument bindet mit require eine HTML-Datei ein und zwar abhängig vom Rückgabewert eines If-Statements:

if (…) { require "eingebunden.html";}

Auch wenn ich den Namen der HTML-Datei so wähle, dass er schwer erraten werden kann, möchte ich sichergehen, dass niemand einfach die Adresse der Datei in den Browser eingeben und so ihren Inhalt anzeigen kann. Das geht jetzt ziemlich einfach, indem ich eine .htaccess-Datei in das Verzeichnis lege, in dem sich die fragliche HTML-Datei befindet und sie mit diesem Inhalt versehe:

SetEnvIf Request_URI "eingebunden\.html$" verboten
Deny from env=verboten

Mit der SetEnvIf-Direktive setze ich eine Variable namens „verboten“ genau dann wenn der URI-String, den der Browser als Request gesendet hat, mit dem regulären Ausdruck "eingebunden\.html$" übereinstimmt. Als nächstes sage ich dem Server, dass er Anfragen, für die er diese Variable erzeugt hat, ablehnen soll. Versucht man jetzt die HTML-Datei direkt im Browser aufzurufen, ist das einzige, was man sieht, ein 403.

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Toleranz am Arsch

Nehmen wir an, ich habe eine Ansicht zu einer bestimmten Sache und du hast eine andere. Da wir befreundet sind, macht das gar nix, wir akzeptieren, dass jeder das Recht auf seine Meinung hat – obwohl ich gern hätte, dass du meiner Meinung wärst, weil ich sie für das logische Resultat unbestreitbarer Fakten halte, und du mich für ein bisschen verrückt und weltfremd hältst. Das geht erstaunlich lange gut. Bis, ja bis wir anfangen uns darüber zu unterhalten, weil der eine etwas tut oder sagt, was dem anderen zu sehr gegen den Strich geht oder ihn plötzlich auch ein bisschen betrifft. Die beiden Meinungen können nicht mehr wie bisher schön nebeneinander laufen, sie kreuzen sich und werden miteinander konfrontiert.

Ich bin auch ein bisschen arrogant. Ich bin der Ansicht, dass meine Meinung die objektiv bessere ist, weil ich sie wie gesagt auf Fakten stützen kann und auf Moral, und du kannst deine nur mit persönlichen Vorlieben und Eigeninteresse begründen. Ich finde also, wenn du, oder irgendjemand anders, der zumindest einen ähnlichen kulturellen Hintergrund hat und ähnlich wenig um sein Überleben kämpfen muss wie ich, rational nachdenken würdest, alle vorhandenen, logisch richtigen Argumente abwägen würdest, müsstest du notwendigerweise zu der gleichen Meinung gelangen wie ich.

Diese Meinung zu haben, also die, die ich habe, bringt es mit sich, dass man gelerntes und gewöhntes Verhalten im Alltag ändern muss, um ihr gerecht zu werden. Das ist schwierig und es läuft darauf hinaus, dass man dem Kopf und der Logik und dem Willen einige der sinnlichen „gefühlten“ oder instinktiven Bedürfnisse unterordnen muss.

Ich verstehe allerdings sehr gut, wenn sich jemand zu schwach dafür fühlt, das ging mir nämlich lange genug selbst so. Wenn du zwar gedanklich zu der betreffenden Ansicht gelangst, aber deine Vernunft letztlich doch vor der Gewöhnung kapitulieren muss, dann ist das zwar sehr schade und Eingeständnis kolossaler Schwäche, aber du hast es immerhin verstanden. Du verstehst (und bewunderst vielleicht sogar ein bisschen) diejenigen, die stark genug sind; du zwingst sie nicht zu Rechtfertigungen ihres korrekten Verhaltens; womöglich machst du sogar kleine Schritte in die richtige Richtung, was immerhin ein größerer Beitrag ist, als gar keiner. Und wer weiß, vielleicht schaffst du es ja irgendwann doch.

Ich unterhalte mich auch eigentlich ganz gerne mit Interessierten über meine Meinung, erkläre gerne, wie ich dazu gekommen bin, teile gerne Wissen mit über Dinge, von denen der andere vielleicht noch gar nichts weiß, höre mir gerne an, was er Spannendes zu dem Thema zu erzählen hat. Ich dränge mich allerdings auch niemandem damit auf.

Wovon ich aber zunehmend die Schnauze voll habe, ist, dass ich von jemand anderem, der nicht meiner Meinung ist, darauf angesprochen werde, und mir dann anhören muss, wie bekloppt ich bin, welche Schwierigkeiten ich mit meinem Verhalten meinen Mitmenschen angeblich bereite und zu guter Letzt, wie intolerant ich bin. Und jedes einzelne dieser Gespräche läuft darauf hinaus, dass ich damit konfrontiert werde, dass mein Gegenüber nicht versteht und anscheinend auch nicht verstehen will, dass er/sie und ich auf zwei fundamental unterschiedlichen Ebenen diskutieren. Er redet von Vorlieben und Geschmack (die an sich ja biegsam sind und zur Disposition stehen können) und ich rede von Ethik und Mitleid.

Eure Toleranzforderungen könnt ihr euch für den ökumenischen Gottesdienst aufheben. Hier geht es um Werte, die ich für absolut halte und ich werde mich nicht mehr rechtfertigen. Ihr solltet das.

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